Kampf

Ratzmann will an die Grünen-Spitze

Nach dem Grünen-Europaabgeordneten Cem Özdemir, möchte nun auch der Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann neuer Bundesvorsitzender der Grünen werden. Ratzmann kündigt an, mit seinem Kontrahenten fair umgehen zu wollen.

Berlin. "Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen", sagte der Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus am Sonnabend. Der 48-jährige Rechtsanwalt bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Spiegel".

Zuvor hatte bereits der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir (42) seine Kandidatur für die Nachfolge von Reinhard Bütikofer angemeldet. Der 55-Jährige hat nach drei Amtsperioden auf eine Wiederwahl verzichtet und will sich um einen Sitz im Europaparlament bewerben. Seine Mit-Vorsitzende Claudia Roth will dagegen wieder antreten. Gewählt wird beim Bundesparteitag im November.

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen begrüßten die Kandidatur. "Mit Volker Ratzmann und Cem Özdemir haben wir zwei großartige Kandidaten für die Parteispitze", sagte Grünen-Landeschef Arndt Klocke in Düsseldorf. Beide verfügten über "politische Erfahrung und Frische". Die NRW-Grünen stellen als größter Landesverband beim Bundesparteitag rund ein Viertel der Delegierten.

Ratzmann ist seit 2003 Co-Fraktionsführer der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Für ihn hat sich bereits die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, stark gemacht. Er galt früher als Linker, zählt sich aber inzwischen wie Özedemir zu den Reformern bei den Grünen, die früher Realos genannt wurden. Roth wird der Linken zugerechnet. Die Wiederwahl der 53-Jährigen gilt als unumstritten.

Ratzmann sagte, er habe für seine Bewerbung viel Zuspruch und Aufmunterung aus allen Landesverbänden erhalten. Viele Parteifreunde hätten gesagt: "Es ist gut, wenn bei den Grünen gewählt wird und es eine Auswahl gibt." Er sehe "jetzt die Chance, zusammen mit Cem Özdemir durch die Landesverbände zu reisen und eine konstruktive Diskussion in die Partei zu tragen, wie wir die Grünen gut aufstellen für die kommenden Wahlkämpfe." Özdemir und er seien beide bereits für den 24. Juni in Düsseldorf eingeladen.

Nachdem Bütikofer im März seinen Rückzug ankündigte, taten sich die Reformer zunächst mit der Aufstellung eines Kandidaten schwer. Jüngere Politiker wie Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (36) und der Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir (37), winkten ab.

Auch mit Blick auf die Bundespolitik gibt Ratzmann die Parole aus, die Grünen dürften sich nicht an die SPD klammern: Die Partei müsse sich "in alle Richtungen öffnen", lautet sein Grundsatz. Ganz offenbar will er das des Image des Parteilinken loswerden: "Nicht das Etikett ist wichtig", sagte er mit Blick auf die Zuordnung zu einem Parteiflügel. Als Anwalt betreibt er in der Hauptstadt eine Kanzlei gemeinsam mit Bundestagsfraktionschefin Renate Künast - die sich denn auch klar für Ratzmann als Parteichef ausgesprochen hat.

Die beiden Kandidaten müssen nun das Kunststück vollbringen, für sich zu werben, ohne die Partei zu spalten. Ratzmann hat am Wochenende einen fairen Wettstreit angekündigt und will sich auch dem offenen Dialog mit Özdemir stellen: "Ich kann mir Parteiveranstaltungen zusammen mit Cem vorstellen."