Familien-Drama

Verwandte sperrten Frau ein

Eine Frau ist in Süditalien von ihrer eigenen Familie 18 Jahre lang eingesperrt worden, weil sie ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hatte. Die Polizei steht vor vielen ungeklärten Fragen.

Caserta. Carabinieri hätten die heute 47-Jährige entdeckt, nachdem ein Nachbar sich über den "ekelhaften Gestank" beklagt habe, der aus einem Zimmer des Nachbargrundstücks drang, berichtete die Zeitung "La Stampa" am Sonnabend. Die Einsatzkräfte fanden die Frau den Angaben zufolge in einem "unbeschreiblichen" hygienischen Zustand und mit offensichtlichen psychischen Störungen vor.

Nach italienischen Medienberichten versuchten die Ermittler, den Vater des mittlerweile 17-jährigen Sohnes von Maria M. zu identifizieren. Außerdem werde untersucht, ob der Sohn wusste, dass die im selben Haus in einer völlig verdreckten Kammer hausende Frau seine Mutter war.

Die Familie aus der ländlichen Gegend Santa Maria Capoua Verde sperrte Maria M. ersten Ermittlungsergebnissen zufolge 1990 ein, als sie die Schwangerschaft der unverheirateten Frau entdeckten. Ihre heute 54-jährige Schwester und der 44-jährige Bruder wurden am Freitag festgenommen, die 80-jährige Mutter wegen ihres Alters unter Hausarrest gestellt. Allen dreien wird Freiheitsberaubung und Misshandlung vorgeworfen. Laut der Zeitung "Corriere della Sera" war zunächst unklar, ob die Familie Maria M. als Strafe für das uneheliches Kind oder aus Scham über die Geburt einsperrte.

Maria M. wurde am Sonnabend in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses in Neapel behandelt. Bei ihrer Befreiung war sie nach Polizeiangaben in einem verwahrlosten und entsetzlich schmutzigen Zustand. Die Frau sei verwirrt, könne kaum laufen und scheine jeden Kontakt mit der Außenwelt verloren zu haben, teilte die Polizei mit. Unklar sei noch, ob Maria M. bereits vor ihrer Gefangenschaft psychisch krank gewesen sei.

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Ansa kassierte die Familie seit mehreren Jahren staatliche Unterhaltszahlungen für Maria. Die Familie habe das Geld benutzt, um Zigaretten für die eingesperrte Frau zu kaufen und die Schulgebühren des Sohnes zu bezahlen. Der 17-Jährige wurde laut Zeitungsbericht inzwischen zu einem Onkel gebracht.