Neue Ermittlungen?

Kampusch-Bericht übergeben

Die zwei Dutzend Experten, die seit Februar insgesamt 166 Akten zu dem spektakulären Fall studierten, kommen darin zu dem Schluss, dass es im Zusammenhang mit den Ermittlungen keine politische Vertuschung gegeben habe.

Wien/Hamburg. Die vom österreichischen Innenministerium eingesetzte Expertenkommission zur Untersuchung des Entführungsfalls Natascha Kampusch hat am Mittwoch ihren Bericht übergeben. Die Staatsanwaltschaft Wien indes bestritt am Mittwoch einen Bericht des Hamburger Magazins "Stern" (Donnerstag), wonach die Polizei im Fall Kampusch neue Ermittlungen aufgenommen habe.

Kampusch (20) war im August 2006 nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft aus der Gewalt ihres Entführers Wolfgang Priklopil entkommen. Priklopil nahm sich kurz danach das Leben. In den vergangenen Monaten hatte der frühere Chef der österreichischen Kripo Herwig Haidinger sowohl der Polizei, als auch den Verantwortlichen im Wiener Innenministerium schwere Ermittlungsfehler vorgeworfen. Beide hätten versucht, ihre Versäumnisse zu vertuschen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA enthält der Report des früheren Chefs des Verfassungsgerichts, Ludwig Adamovich, eine "Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen in Hinblick auf künftige Kriminalfälle von besonderer Komplexität und öffentlichem Interesse". Allerdings könne von politischer Vertuschung in dem Fall keine Rede sein. Adamovich hatte vor der Übergabe erklärt, der Report enthalte einige "brisante" Punkte. Die Akte soll jetzt dem Parlament zur Begutachtung übergeben werden.

Zu dem "Stern"-Bericht sagte Oberstaatsanwältin Marie-Luise Nittl der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Dazu ist es noch zu früh. Zunächst müssen wir den Untersuchungsbericht genau studieren. Danach sehen wir weiter, ob es überhaupt Gründe für weitere Ermittlungen gibt."

Laut "Stern" liegen der Polizei neue Erkenntnisse vor, wonach der Entführer von Natascha Kampusch 1998 möglicherweise einen Mittäter hatte. Im Mittelpunkt soll ein Wiener Immobilienhändler stehen, der mit Priklopil bekannt war. Der Mann habe bei seinen Vernehmungen durch die Polizei widersprüchliche Aussagen gemacht, die der Polizei jetzt in einer 20-seitigen Dokumentation vorlägen.

Ex-Kripochef Haidinger hatte vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss erklärt, durch schlampige Ermittlungen der Polizei sei 1998 eine frühe Festnahme des Entführers verhindert worden.