Erdbeben-Seen in China

Überschwemmungsgefahr soll gebannt werden

Fieberhaftes Arbeiten im chinesischen Erdbebengebiet. Die Gefahr einer Riesenflut aus einem "Erdbeben-Stausee" soll gebannt werden. Arbeiten in Tangjiashan schreiten gut voran. Rund 30 weitere Seen stellen noch eine Gefahr dar.

"Das Problem ist unter Kontrolle", sagte ein ranghoher Parteivertreter aus dem Bezirk Beichuan, Han Guijun, am Sonnabend. Weitere Gefahren gehen der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge jedoch von 28 der insgesamt weiteren 33 "Erdbeben-Seen" in der Südwest-Provinz Sichuan aus. Außerdem stuften Experten mehr als 130 Chemie-Fabriken im Erdbebengebiet als Risiko ein. Bei dem Beben der Stärke 8,0 am 12. Mai kamen nach jüngsten offiziellen Angaben 68 858 Menschen ums Leben, 18 618 werden vermisst.

Die ersten Soldaten, die in den vergangenen Tagen einen Kanal zum Ableiten der Wassermassen aus dem aufgestauten See gegraben hatten, seien bereits abgezogen worden, sagte der Parteivertreter. Die Kanal-Arbeiten seien abgeschlossen. In den kommenden drei Tagen sollte das Ableiten beginnen. Ein Polizeikommandeur vor Ort sagte, dass es noch am Sonnabend losgehe.

Der "Erdbeben-See" in Tangjiashan ist ein durch Erdrutsche aufgestauter Fluss. Der natürlich entstandene Staudamm droht unter dem Druck der Wassermassen zu bersten. Heftige Regenfälle hatten die Überflutungsgefahr noch verstärkt. Mehr als eine Millionen Menschen wären im Falle eines Dammbruchs betroffen. Laut Xinhua brachten die Behörden bis Sonnabendmorgen insgesamt 197 000 Menschen in Sicherheit. Weiter flussabwärts wurden die Menschen angewiesen, sich an mindestens 30 Meter oberhalb des Flusses gelegene Stellen zurückzuziehen.

Die mehr als 30 "Erdbeben-Seen" im Katastrophengebiet sind eines der drängendsten Probleme. Vorsorglich ordneten die Behörden an, radioaktive und chemische Materialien aus überschwemmungsgefährdeten Fabriken wegzuschaffen. Außerdem schickten die Behörden laut Umweltministerium tausende Helfer in die Erdbebenzone, die Industrieanlagen auf mögliche Umweltrisiken hin inspizieren sollten. Von 14 357 Unternehmen, darunter rund 2900 Chemie-Firmen, hätten Experten 134 als möglicherweise gefährlich eingestuft. Auch von einsturzgefährdeten Erdbebenruinen gehe weiterhin eine Gefahr aus.