Preisforderungen

Seehofer unterstützt Milchbauern

Im Streit um die Milchpreise hat sich Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) am Wochenende auf die Seite der Milchbauern gestellt. Derweil setzen die Milchbauern ihren Lieferboykott fort.

Die großen Nahrungsmittelkonzerne verhielten sich nicht klug, wenn sie den geforderten Preis von 40 Cent pro Liter nicht zahlten, sagte der Minister der "Welt am Sonntag". Der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr, wies die Wortmeldung des Ministers als Einmischung zurück. "Aus den Preisen hat sich die Politik herauszuhalten", sagte er. Seinen Angaben zufolge führte der Streik der Milchbauern auch am Sonnabend nicht zu nennenswerten Engpässen: "Die Situation im Einzelhandel ist total entspannt."

Der Milchbauern-Verband BDM will für seine rund 32 000 Mitglieder und die Landwirte anderer Verbände bei den Molkereien einen Mindestabnahmepreis von gut 40 Cent pro Liter erreichen. Derzeit zahlen die Betriebe zwischen 28 und 34 Cent. Die Milchbauern des BDM streiken seit Dienstag für höhere Milchpreise. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner rief die Molkereien am Wochenende zu neuen Verhandlungen auf. "Wir kämpfen für einen höheren, gerechten Milchpreis von über 40 Cent pro Liter", schrieb er in der "Bild am Sonntag".

Seehofer sagte, für kleine Milchbauern sei es schon in den vergangenen Jahren schwer gewesen, kostendeckend zu arbeiten. Mit den jüngsten Preissteigerungen sei die Grenze nun überschritten. "Wenn Bauern ihr Produkt freiwillig vernichten, stehen sie mit dem Rücken zur Wand", erklärte der Minister. "Wir sollten froh sein, dass wir unsere Nachfrage nach Milch zumindest teilweise mit Angebot aus Deutschland decken können und nicht, wie bei der Energie, komplett von Importen abhängig sind."

Pellengahr warnte, es sei "überhaupt nicht die Aufgabe der Bundesregierung oder des Landwirtschaftsministers, sich hier in die Preisgestaltung zwischen Wirtschaftspartnern einzumischen". Die Vereinbarung der Preise sei "allein die Sache zwischen den Molkereien und den Landwirten." Abgesehen von zeitlich und örtlich begrenzten Aktionen sei ihm von größeren Störungen des Nachschubs an Milch im Einzelhandel nichts bekannt. "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass da irgendwie die Milch fehlt", sagte er.

Boykott weitet sich aus

"Solange es kein Entgegenkommen der Milchindustrie gibt, setzen wir unsere Aktionen fort", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Stefan Mann, am Sonnabend. Laut BDM kommt inzwischen mehr als 70 Prozent der normalerweise gelieferten Menge nicht mehr bei den Molkereien an.

Laut Mann weitet sich der Protest zudem weiter aus. Inzwischen beteiligten sich fast alle der 32 000 Mitgliedsbetriebe des BDM.

Unruhen zwischen den Bauern möglich

Im Streit um höhere Milchpreise für die Produzenten hält die Großmolkerei Milch-Union Hocheifel (MUH) in Pronsfeld Unruhen zwischen den Bauern für möglich. "Die Landwirte, die weiter ihre Milch hier abgeben wollen, erleiden wegen der Blockade wirtschaftlichen Schaden und sind verärgert", sagte der MUH-Sprecher Wolfgang Rommel am Sonnabend. "Die werden hier aufmarschieren. Unser Krisenstab tagt jetzt deshalb mit Polizei und Staatsanwaltschaft." Die Zufahrt der MUH werde wie auch am Freitag weiterhin von protestierenden Bauern mit ihren Traktoren blockiert.

Der BDM bestätigte, dass auch die Blockade einer Großmolkerei von Hochland (Thalfang) in Kaiserslautern am Sonnabend andauere.