Defekte Rußfilter: Bund appelliert an Autofahrer

Diesel-Besitzer sollen Schrottfilter austauschen

Sieben Monate nach dem Skandal um wirkungslose Dieselrußfilter wächst der Druck auf die Autobesitzer, die Systeme austauschen zu lassen. Nach AP-Informationen schreibt das Kraftfahrt-Bundesamt seit dieser Woche alle Besitzer von Wagen mit Schrottfiltern an und warnt vor Nachteilen, falls sie nichts unternehmen.

Berlin. Die Halter könnten ihre Steuervorteile und ihre Umweltplaketten verlieren.

Bei den Schrottfiltern der Firmen GAT, Bosal und Tenneco hatte das Bundesamt erst nach dem Einbau in rund 45 000 Autos festgestellt, dass sie nicht wie gewünscht den gefährlichen Dieselruß aus den Abgasen filtern. Im November vereinbarten Bund, Handel und Hersteller eine Kulanzregelung. Demnach dürften die Besitzer die Schrottfilter kostenlos durch nutzbringende Systeme ersetzen lassen.

Diese Regelung wird jedoch bislang kaum genutzt. Nach AP-Informationen wurden bis Ende April gerade mal 2837 Umrüstungen gemeldet - bei insgesamt 45 000 betroffenen Wagen. Die Regierung hofft nun, dass die Kulanzregelung mit dem Mahnschreiben des KBA in Schwung kommt. Anderenfalls ist sie in der Klemme. Denn auch die schadhaften Filter haben einen Steuerrabatt von 330 Euro erhalten, sowie eine grüne Plakette für Umweltzonen, obwohl sie in Wirklichkeit weiter hohe Mengen schädlichen Dieselruß ausstoßen.

Das KBA richtet deshalb in dem Schreiben, das AP vorliegt, einen dringenden Appell an die Autobesitzer: "Nur wenn Sie die Kulanzregelung zum Austausch der Filter auch in Anspruch nehmen, rechtfertigt das die Beibehaltung der Steuerbegünstigung und die Zuteilung der Umweltplakette. Bei einer zu geringen Beteiligung an der Umtauschaktion behält sich die Bundesregierung vor, die gewährten Steuervorteile sowie die Berechtigung zum Befahren von Umweltzonen für die Fahrzeuge mit mangelhaften Filtern auf den Prüfstand zu stellen."

Umweltminister Sigmar Gabriel hatte bereits bei einer Anhörung Anfang März nicht ausgeschlossen, den Autofahrern mit Entzug der Steuervorteile und der Umweltplakette zu drohen, falls die Umtauschaktion nicht in Gang kommt. Er hatte eine Entscheidung für den Spätsommer in Aussicht gestellt.

Insgesamt wurden inzwischen rund 285 000 ältere Diesel-Fahrzeuge mit Partikelfiltern nachgerüstet.