"Ehrenmord": Behörden reagieren

Hamburg will Migrantinnen besser schützen

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Nach dem gewaltsamen Tod der 16-jährigen Deutsch-Afghanin Morsal O. hat der Hamburger Senat ein konsequenteres Vorgehen bei ähnlichen Fällen angekündigt. "Man muss ein Worst-Case-Szenario in diesen Fällen zugrunde legen", sagte Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) in Hamburg.

Hamburg. Als Reaktion auf das Verbrechen hätten Sozial- und Bildungsbehörde vereinbart, bei Konflikten um Lebensstile in religiös-patriarchalischen Familien künftig eher von einer Lebensgefahr für Mädchen auszugehen. "Hier muss es ein Umdenken staatlicher Stellen geben", erläuterte Wersich. Politiker der oppositionellen SPD kritisierten die Ankündigungen als unzureichend.

Morsal O. war vor zwei Wochen wegen ihres westlichen Lebensstils von ihrem Bruder erstochen worden. Vor dem "Ehrenmord" hatte der 23- Jährige die Schülerin bereits mehrfach zusammengeschlagen. Auf eigenen Wunsch war das Mädchen daraufhin aus der Wohnung der Familie ausgezogen und lebte zuletzt in einem Jugendhaus. Wersich wies den Vorwurf zurück, die Betreuer hätten beim Schutz des Mädchens versagt. Es sei rechtlich nicht möglich gewesen, das Mädchen gegen ihren Willen festzuhalten.

Nach Angaben von Bildungssenatorin Christa Goetsch (GAL) sollen bedrohliche Fälle künftig schneller identifiziert werden, indem Helfer und Lehrer stärker auf Warnhinweise achten und sich zügiger über mögliche Gegenmaßnahmen verständigen. "Wir müssen frühzeitig mit Interventionsketten beginnen", sagte sie. Als eine erste Maßnahme verbietet die Schulbehörde künftig zudem, dass Eltern ihre Kinder telefonisch von der Schule abmelden können. Dies war auch im Fall Morsal O. geschehen. "Das ist etwas, was so nicht haltbar ist", sagte Goetsch. Demnächst müssten Eltern dies zumindest schriftlich tun.

Politiker der Hamburger SPD kritisierten die Ankündigungen des Senats als unzureichend. Im Bereich der Sozialbehörde blieben im Zusammenhang mit dem Fall Morsal O. weiterhin Fragen offen, teilte SPD-Jugendpolitikerin Carola Veit am Dienstag mit. So sei nach wie vor "unverständlich", warum die Behörde vor der Tat nicht den grundsätzlich mögliche Weg eines Sorgerechtsentzugs verfolgt habe.

Die Schura, der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, warnte unterdessen vor "undifferenzierten und verallgemeinernden Negativdarstellungen des Islams und der Muslime" im Zusammenhang mit dem Thema "Ehrenmord" und Zwangsheirat. Dies sei kontraproduktiv, hieß es in einer am Dienstag in Hamburg veröffentlichten Erklärung. Stattdessen sollten Frauen und Mädchen verstärkt über ihre Rechte und Schutzmöglichkeiten vor Gewalt aufgeklärt werden. Zudem müssten bestehende interkulturelle Beratungsstellen gefördert werden.

( dpa )