Birma

Helfer im Katastrophengebiet von Birma

Erstmals sind Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) ins Irrawaddy-Delta gelangt. Johanniter schicken am Dienstag Hilfe ins Delta. Ban sieht Schritt in die richtige Richtung.

Drei Wochen nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" lässt die in Birma regierende Militärjunta jetzt doch noch internationale Helfer in das Katastrophengebiet. Ein Team des Technischen Hilfswerks reiste am Sonntag in das verwüstete Irrawaddy-Delta. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, der zu einer internationalen Geberkonferenz nach Rangun gereist war und acht Tonnen Hilfsgüter mitgebracht hatte, sprach von einem Durchbruch.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte zum Ende der Geberkonferenz, die Junta bewege sich "schnell in die richtige Richtung". Die Regierung hatte ihm am Freitag zugesagt, dass Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen nun ungehindert ins Land könnten. Ban erklärte, er hoffe, dass dies ein Wendepunkt in der Bewältigung der Krise sei.

Das THW-Team in Birma transportiert laut Erler mit Genehmigung der Junta Trinkwassertechnik für 20 000 Menschen in die fünf Autostunden entfernte Stadt Bogale mitten im verwüsteten Irrawaddy-Delta. "Heute Abend wird dort Wasser sprudeln", berichtete der SPD-Politiker telefonisch nach Berlin.

Die THW-Experten hätten zwei Anlagen dabei, die je 6000 Liter Trinkwasser in der Stunde aufbereiten könnten. Die Bedeutung der Nachricht wird durch die immer drängenderen Warnungen der Experten vor steigenden Seuchengefahren wegen schlechten Wassers unterstrichen. Bisher hätten das THW und die Malteser nur in Rangun ein etwa zwölf Mitglieder starkes Team junger Birmanen an der Trinkwasseraufbereitung ausbilden können, berichtete Erler.

Nach der Öffnung des Katastrophengebietes für ausländische Helfer werden die Johanniter am kommenden Dienstag, 27. Mai, ein weiteres Einsatz-Team nach Birma schicken. Die Johanniter-Helfer in Rangun kamen unterdessen bei ihrer Fahrt ins Irrawaddy-Delta problemlos durch alle Militärkontrollen.

Die Johanniter konnten ein erstes Helfer-Team bereits eine Woche nach dem Wirbelsturm ins Land bringen, ein zweites folgte kurz darauf. Die Teams koordinierten von Rangun aus ihre medizinische Hilfe und arbeiteten dabei eng mit Partnerorganisationen von Aktion Deutschland Hilft zusammen, insbesondere mit ADRA Deutschland. Mit lokalen Helfern war es möglich, die benötigten Medikamente zu den Betroffenen ins Delta zu bringen.

Von den Johannitern unterstützte einheimische Ärzte berichteten am Wochenende, dass die Menschen im Delta vor allem etwas zu essen bräuchten. Viele litten unter Psycho-Traumata. Sie zitterten und hätten Albträume. Dass sie ihre Angehörigen nicht nach den Ritualen der buddhistischen Tradition bestatten konnten, erschwere ihre psychische Lage.

Hilfe nicht an Bedingungen knüpfen

Die Regierung schätzt die Kosten für den Wiederaufbau auf 10,7 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro). Die Teilnehmer der Geberkonferenz in Ragun machten deutlich, dass weitere Hilfe von einer Bedarfsanalyse abhängt. Birma will aber nur Hilfe akzeptieren, die ohne jede Auflage gegeben wird. "Einige Länder wie China haben neue Hilfe versprochen", sagte Hanke Veit, Direktorin des UN-Büros für humanitäre Hilfe in Birma. "Aber die meisten warten auf Details - ob sie Zugang bekommen, wie Rechenschaft über Hilfe abgelegt wird, und was genau zerstört wurde."

"Wir freuen uns über jede Hilfe, die rein aus guten Willen gegeben wird, vorausgesetzt, es werden keine Auflagen gemacht, und nichts wird politisiert", sagte Regierungschef Thein Sein. Die mehr als 1000 Tonnen Hilfsgüter an Bord von amerikanischen, französischen und britischen Kriegsschiffen direkt vor der Küste dürften nur mit zivilen Booten in den Hafen von Rangun gebracht werden. Birma schottet sich seit Jahrzehnten ab. Die Junta schürt immer wieder Angst vor Invasionen.

Die Regierung hat mehrfach darauf beharrt, dass die Opfer bereits versorgt sind und die Wiederaufbauphase beginnen kann. Dem widersprechen Hilfsorganisationen. "Dort gibt es noch immer Zehntausende notleidende Menschen, die noch keinen Helfer gesehen haben", sagte auch Erler. "Ich rechne mit einer Hilfsaktion, die mindestens sechs Monate dauert, in denen wir diejenigen, die alles verloren haben, versorgen", sagte der UN-Generalsekretär in Rangun. Nach UN-Schätzungen ist erst ein Viertel der rund 2,4 Millionen Bedürftigen ausreichend versorgt.

Am Ende der Geberkonferenz erklärte die Europäische Union, Birma werde zusätzlich zu den bereits gespendeten 46 Millionen Euro weitere 17 Millionen Euro erhalten. China sagte insgesamt elf Millionen Dollar (sieben Millionen Euro) zu, Australien 24 Millionen Dollar (15,2 Millionen Euro). Die Philippinen verdoppelten ihre Hilfe auf 2,5 Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro).