Song Contest

Russland gewinnt - Deutschland versagt

Russland hat den 53. Eurovision Song Contest gewonnen. Der russische Superstar Dima Bilan setzte sich am Sonnabendabend mit der Rockballade "Believe" zuletzt deutlich an die Spitze.

Belgrad. Zweiter wurde die Ukraine mit Ani Lorak und "Shady Lady", das am Ende noch Griechenland mit der in den USA geborenen Sängerin Kalomira und ihrem Popsong "Secret Combination" überholte. Die für Deutschland angetretenen No Angels kamen zusammen mit Polen und Großbritannien bei nur je 14 Punkten auf den letzten Platz.

Deutschland erhielt nur aus Bulgarien die Höchstzahl an zwölf Punkten, was der aus Bulgarien stammenden No-Angels-Sängerin Lucy zugute geschrieben wird. Aus der Schweiz kamen zwei weitere Punkte dazu.

Trotz ihres schlechten Ergebnisses zeigte sich Sängerin Jessica zufrieden: "Ich bin etwas geschockt, aber wir können stolz sein", sagte sie danach in der ARD, die den Wettbewerb übertragen hatte.

Der Russe Dima Bilan lag dagegen am Ende mit 272 Punkten vorne. Es ist das erste Mal, dass Russland den Grand Prix gewonnen hat. Dima Bilan war bereits 2006 in Athen Zweiter geworden. Dieses Mal holte die Ukraine mit 230 Punkten den zweiten Platz vor Griechenland mit 218.

Bilan, ließ sich bei seinem Auftritt zum Song "Believe" von Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Pluschenko und einem Stradivari-Virtuosen unterstützen. "Ein Traum ist wahr geworden", rief er auf der anschließenden Pressekonferenz und dankte ausdrücklich seinem amerikanischen Erfolgsproduzenten Timbaland.

Die meisten Kandidaten setzten auf Showeffekte, sparten nicht an Pyrotechnik und originellen Einlagen. Viele Sängerinnen versuchten zusätzlich mit Sex-Appeal zu punkten - ultra-knappe Kleider und High-Heels schienen beinahe Pflicht zu sein. Nicht zu vergessen eine ausgefeilte Choreografie, nach der die Tänzer die Power-Frauen unterstützen. Da gab Kalomira die Britney Spears von Griechenland, wirbelte Sirusho aus Armenien wild über die Bühne und ließ die Ukrainerin Ani Lorak ihre Tänzer hinter einer Spiegelwand auftauchen. Wie Lorak trug die Schwedin Charlotte Perrelli einen silbernen Glitzer-Mini - sie hatte den Grand Prix 1999 gewonnen.

Mehr als 100 Millionen Zuschauer

Der größte Musikwettbewerb der Welt wurde am Sonnabendabend wieder von mehr als 100 Millionen Zuschauer innerhalb und außerhalb Europas im Fernsehen verfolgt. Insgesamt nahmen in diesem Jahr 43 Länder am Eurovision Song Contest teil, darunter erstmals auch Aserbaidschan und San Marino. Im Vorjahr hatte die Serbin Marija Serifovic mit "Molitva" die begehrte Trophäe mit nach Hause genommen, so dass ihr Land den diesjährigen Wettbewerb in Belgrad ausrichten durfte.

Erstmals gab es dort auch zwei Halbfinale, in denen sich jeweils zehn Länder für die Endausscheidung qualifizierten. Dabei schied die Schweiz mit Paolo Meneguzzi und seinem italienischen Lied "Era Stupendo" aus. Österreich hatte dagegen in diesem Jahr von vornherein auf eine Teilnahme am Song Contest verzichtet. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien wiederum waren als größte Beitragszahler der veranstaltenden Europäischen Broadcasting Union (EBU) ebenso wie Vorjahressieger ohne Zwischenausscheidung fürs Finale gesetzt.

No Angels schlecht beraten?

Beim federführenden Norddeutschen Rundfunk (NDR) dürfte in den nächsten Wochen darüber diskutiert werden, wie sich derartige Blamagen künftig vermeiden lassen. Der letzte Tiefpunkt liegt mit Gracias letztem Platz gerade drei Jahre zurück, auch danach folgten nur ein 15. Platz mit Texas Lightning (2006) und ein 19. mit Roger Cicero (2007). Dass Deutschland so wenig Punkte bekam, könnte nach Ansicht von Irving Wolther, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und ESC-Kenner, auch am Halbfinal-Modus gelegen haben. 43 Länder nahmen ursprünglich am 53. ESC teil, doch bis auf die "Big Four"-Geldgeber sowie den Gastgeber mussten sich alle für die Endrunde qualifizieren. "In Ländern, die rausgeflogen sind, ist das Interesse am Finale gering und das TV-Publikum setzt sich anders zusammen", meinte Wolther.

So gab es für Deutschland nicht einmal Nachbarschaftspunkte aus Belgien oder den Niederlanden und gerade mal zwei aus der Schweiz - deren Kandidaten hatten den Sprung in die große Show nicht geschafft. Dagegen konnten sich die osteuropäischen, aber auch die skandinavischen Länder über Punkte von ihren Nachbarn freuen. Doch abgesehen von allen Zuneigungen: Wer auf dem Eurovisions-Parkett bestehen will, muss auffallen. Die Konkurrenz in der Belgrad-Arena war stark und breitgefächert. Die meisten Kandidaten setzten auf Showeffekte, sparten nicht an Pyrotechnik und originellen Einlagen.

Die Schmach von Belgrad war für Experte Wolther keine Überraschung: "Das ist ein Radiosong und kein Lied, zu dem man auf der Bühne eine spektakuläre Show abliefern kann". Auch das Ex-Mitglied von der Pop-Gruppe Wind, Alexander Heiler, waren die No Angels schlecht betreut und beraten worden. "Sie haben bei der Präsentation völlig überdreht. Es ist wichtig, das die Betreuung vor Ort so funktioniert, dass die Band am betreffenden Abend auf den Punkt singt. Vergleichbar ist dies mit der Betreuung eines Hochleistungssportlers vor einem Wettkampf", sagte Heiler. Deutschland habe sich mit dem Titel außerdem zu blass präsentiert. "Dem Lied fehlte die Identität." Der Titel gebe nichts her und hätte aus jedem beliebigen Land stammen können, meinte Heiler weiter.