Stasi-Akten

Birthler sieht Gysi als IM

Linksfraktionschef Gregor Gysi hat nach Einschätzung der Stasi-Unterlagenbeauftragten Marianne Birthler in den Jahren 1979 und 1980 der Stasi zugearbeitet.

Aus den in dieser Woche freigegebenen Stasi-Vermerken gehe hervor, "dass in diesem Fall willentlich und wissentlich an die Stasi berichtet worden ist, und zwar von Gregor Gysi über (den Regimekritiker) Robert Havemann", sagte Birthler der Tageszeitung "Die Welt". Linken-Chef Oskar Lafontaine nahm Gysi auf dem Cottbuser Parteitag ausdrücklich gegen Stasi-Vorwürfe in Schutz.

Nach Birthlers Angaben ergibt sich die willentliche Zusammenarbeit Gysis mit der Stasi aus den Vermerken zu den Gesprächen, die Gregor Gysi 1979/80 als DDR-Rechtsanwalt mit seinen Mandanten Havemann und dem Dichter Thomas Erwin geführt habe. "Deshalb geben wir diese Papiere als IM-Unterlagen heraus", fügte Birthler hinzu. Lafontaine sagte in Cottbus: "Die Angriffe auf Gregor Gysi weisen wir ganz entschieden zurück."

Gysi hatte sich zuvor selbst gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, er habe zu DDR-Zeiten Regimekritiker ausspioniert. In einigen Medien werde "zum Teil bösartig und frei von Kenntnis behauptet", dass er als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit tätig gewesen sei, erklärte Gysi. Diese Behauptung bleibe falsch, "auch wenn meine politischen Gegner sich das Gegenteil wünschen".

Gysi hatte ursprünglich gegen die Herausgabe der jetzt bekannt gewordenen Stasi-Akten geklagt. Die Berufung gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, mit dem die Herausgabe durch die Birthler-Behörde gebilligt worden war, zog er dann am Dienstag überraschend zurück. Er begründete dies auch mit der Veröffentlichung des Urteils durch das Verwaltungsgericht im Internet.