Berlin: Neue Kriminalstatistik liegt vor

Jugendliche werden gewalttätiger

Schlägereien, Vandalismus und Beleidigungen werden in Deutschland immer alltäglicher. Dies belegt die nun veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik für 2007. Besorgniserregend ist vor allem die steigende Gewalttätigkeit Jugendlicher, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte.

Berlin. Die von Heranwachsenden verübten gefährlichen Körperverletzungen kletterten gegenüber 2006 um 6,3 Prozent. Stark gesunken sind indes die Fallzahlen beim Auto- und Taschendiebstahl sowie Betrugsdelikte.

"Gewalt stellt ein erhebliches Problem in unserer Gesellschaft dar", sagte Schäuble. Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, beklagte, dass Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungen, Belästigungen und Vandalismus, meist in Verbindung mit ausuferndem öffentlichen Alkoholkonsum, zu einer "Plage für die Gesellschaft" geworden seien.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 6.284.661 Straftaten registriert. Das sind 0,3 Prozent weniger als 2006 und 6,9 Prozent weniger als 1993. Die Aufklärungsquote lag bei 55,0 Prozent - das ist der zweitbeste Wert der letzten 14 Jahre.

Deutlich rückläufig sind gegenüber 2006 die Fallzahlen beim Ladendiebstahl (minus 6,7 Prozent) und beim Taschendiebstahl, wo 8,8 Prozent weniger Delikte gezählt wurden. Beim Autodiebstahl gab es ein Minus von 6,8 Prozent, hauptsächlich wegen immer besserer Diebstahlsicherungen.

Erstmals sanken auch die über Jahre gestiegenen Betrugsfälle, und zwar um 4,3 Prozent auf rund 913.000. Wesentliche Ursache waren starke Rückgänge beim Beteiligungs- und Anlagebetrug sowie beim Betrug mit gestohlenen EC-Karten. Hier fruchteten stärkere Kontrollen beim Lastschriftverfahren, also dem Zahlen ohne Pin-Nummer. Diese erfreulichen Entwicklungen kommentierte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der brandenburgische Ressortchef Jörg Schönbohm, mit den Worten: "Unser Land ist im vergangenen Jahr wieder ein Stück sicherer für die Menschen geworden.

Gestiegen ist hingegen die Straßenkriminalität. Besonders deutlich zugenommen haben 2007 die Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen, und zwar gegenüber 2006 um mehr als zehn Prozent. Noch stärker schoss die gefährliche und schwere Körperverletzung in der Öffentlichkeit nach oben. Hier gab es einen Anstieg um 11,1 Prozent auf knapp 66.800 Fälle.

Vielfach sind Jugendliche die Täter. Dazu heißt es in gut 50 Seiten starken Kriminalstatistik: "Diese Entwicklung zeigt, dass bei Teilen der Jugendlichen eine erhöhte Gewaltbereitschaft bei gesunkener Hemmschwelle und teilweise brutalem Vorgehen festzustellen ist. Dabei erweist sich sicherlich Alkohol als Gewaltkatalysator. Zudem wird Jugendgewalt auch stark durch Gruppendynamik beeinflusst."

Inzwischen ist auch eine steigende Gewaltbereitschaft junger Mädchen festzustellen. Ihre Gewaltkriminalität hat im Jahresvergleich um 4,9 Prozent auf 7.498 zugenommen.

Insgesamt scheint der Umgangston in der Gesellschaft rauer zu werden: Im Jahr 2007 stieg die Zahl der Beleidigungen um drei Prozent auf knapp 193.100 registrierte Fälle.

Ausländische Jugendliche stellten 2007 rund 16,6 Prozent aller Tatverdächtigen. Weitaus höhere Anteile wiesen sie bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit auf (35,5 Prozent), ebenso bei Körperverletzungsdelikten (29,2 Prozent) und bei der Gewaltkriminalität (22,6 Prozent).

Die Zahl der Rauschgiftdelikte hat sich 2007 um 2,6 Prozent auf 248.355 Fälle verringert. Rückgänge waren bei Heroin ( minus zwei Prozent), bei Kokain (minus 7,2 Prozent) und bei Cannabis (minus 4,9 Prozent) zu verzeichnen. Angestiegen sind indes Verstöße mit Amphetaminen einschließlich Ecstasy, und zwar um 6,3 Prozent auf 33.482 Fälle.