Kino: Nach 19 Jahren wieder auf der Leinwand

Indiana Jones vier enttäuscht in Cannes

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David Germain

Der Applaus zu Beginn war deutlich lauter als zum Abspann. Bei den Filmfestspielen in Cannes feierte "Das Königreich des Kristallschädels" Weltpremiere. Doch die Begeisterungsstürme blieben aus, im Gegenteil: „Ich habe mich zu Tode gelangweilt“, sagte eine spanische Filmkritikerin. Ab Donnerstag läuft der Streifen auch in Deutschland.

Cannes. "Die Meinung der Kritiker ist mir egal", hatte Spielberg vor der Premiere erklärt. In der Tat wird damit gerechnet, dass "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" auch ohne Zuspruch der Experten zum Kassenschlager wird. So wurde vor zwei Jahren "Der Da Vinci Code" zum Blockbuster, obwohl er in Cannes gnadenlos durchgefallen war und nur hämisches Gelächter geerntet hatte.

Ganz so schlimm fielen die Reaktionen bei der Vorpremiere am Sonntag nicht aus. Im Teil vier wird der abenteuerlustige Archäologe Indiana Jones (Harrison Ford) in den Kalten Krieg verwickelt. 1957 überlebt er eine Atomexplosion in der Wüste. Außerirdische sind mit im Spiel. Cate Blanchett mimt mit breitem Akzent eine sowjetische Agentin, die sich mit Indy um die Kristallschädel mit übernatürlichen Kräften balgt. Das romantische Happy End ist abgedroschen und wurde nur mit vereinzeltem Kichern bedacht.

"Niemand scheint wirklich sein Herz in den Film gelegt zu haben", sagte Sperling Reich vom Online-Magazin "FilmStew.com". "Sie hätten nach dem dritten Teil Schluss machen sollen." Immerhin wurde einigermaßen kräftig geklatscht. "Der Film ist annehmbar", meinte die Filmkritikerin der französischen Zeitschrift "Paris Match". "Ein poliertes Industrieprodukt. Die Qualität reißt niemanden vom Hocker. Aber wenn man raus geht, ist man glücklich."

Zwtl: "Übertriebene Spezialeffekt-Extravaganz"

Mit einer gewaltigen PR-Maschine war die Aufmerksamkeit auf die Premiere gelenkt worden. Ein Hotel an der Croisette war wie ein Tempel geschmückt, Mega-Plakate zierten die Uferstraße an der Cote d'Azur. Bevor das Licht im Kinosaal ausging und die Vorführung begann, war die Euphorie groß - ein Gejohle und lautes Klatschen, einige Besucher summten laut die Indiana-Jones-Titelmelodie. Und manche Fans ließen sich selbst vom arg einfallslosen Mittelteil nicht enttäuschen. Die 19 Jahre alte Studentin Amelia Sims war extra aus Georgia in den USA angereist. "Ich habe praktisch mein ganzes Leben auf den vierten Teil gewartet", sagte sie - glücklich darüber, im letzten Moment eine Karte für die Pressevorführung ergattert zu haben. "Ich liebe Indy."

Actions-Fans kommen in dem Film noch am meisten auf ihre Kosten. Eingefleischte Indy-Fans werden sich an den melancholischen Anspielungen auf Sean Connery freuen, der in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" den Vater des Archäologen spielte, eine Rolle in der Fortsetzung aber abgelehnt hat. Shia LeBeouf spielt den neuen jugendlichen Partner des Helden.

"Der Streifen ist absolut effektiv genug, um weltweit die Besucher anzulocken", meinte Anne Thompson von "Variety". "Anders als beim 'Da Vinci Code' ist niemand über ihn hergefallen." Sie gibt damit nicht ganz die Durchschnittsmeinung der anwesenden Kritiker wieder. Der vermeintliche Höhepunkt von "Das Königreich des Kristallschädels" sei am Ende nur eine übertriebene Spezialeffekt-Extravaganz, fand Christian Moggaard vom dänischen Magazin "Information". "Viel Wirbel um eine verschmähte Frau. Verschmähte Fans sind da noch schlimmer."

( ap )