Erdbeben in China:

Deutscher war nicht verschüttet

Vermeintlich verschütteter Deutscher war nicht unter Trümmern begraben. Der Mann überlebte unversehrt. Massenflucht aus dem Umland eines beängstigend ansteigenden Sees und die Zahl der Toten steigt auf fast 29 000.

Beichuan/China. Die Lage im chinesischen Erdbebengebiet blieb am Sonnabend trotz Erfolgen bei den Bergungseinsätzen angespannt. Besonders der Anstieg des Haizi-Sees im Kreis Beichuan sorgte für Unruhe.

Tausende von Überlebenden flohen aus Angst vor einer befürchteten Flutwelle aus dem Epizentrum. Was den Anstieg des Wassers im zwischen zwei Bergen gelegenen Haizi-See verursachte, war unklar: Im Erdbebengebiet hatte es zuletzt nicht geregnet. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, der See könnte "jederzeit über die Ufer treten".

Deutschem Reiseführer geht es gut

Ein vermisster Deutscher hat das schwere Erdbeben in Südwestchina unverletzt überlebt. Anders als zuvor berichtet, musste der Mann jedoch nicht aus Trümmern geborgen werden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonnabend erklärte. Der Mann habe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unverletzt zusammen mit den Bewohnern des Dorfes Taogan ausgeharrt. "Mit mir ist alles in Ordnung", sagte der 62-jährige Reiseleiter Bogdan Brakus laut Xinhua. Der Bergsteiger war den Angaben zufolge mit zwei chinesischen Begleitern unterwegs, die ebenfalls wohlauf seien. Die Reise hatte demnach ein Münchner Tourveranstalter organisiert; wo der Mann herkommt, wurde nicht mitgeteilt.

Bereits am Donnerstag sei er in dem Ort Taoguan im schwer betroffenen Landkreis Wenchuan geortet worden, konnte aber erst am Sonnabend, 114 Stunden nach dem Erdbeben, bei Evakuierungen in Sicherheit gebracht werden. Zuvor war er von den Anwohnern mit Nahrung und Wasser versorgt worden. Nach Angaben eines Militärangehörigen soll der Deutsche in die Provinzhauptstadt Chengdu gebracht werden, sobald ein passende Fahrzeug gefunden sei.

163 Verschüttete bis jetzt

Am Freitag waren insgesamt 163 Verschüttete lebend aus den Trümmern gezogen worden, wie der Sender CCTV meldete. Als kritisches Zeitfenster für die Rettung von Verschütteten bei Erdbeben gelten gemeinhin drei Tage. Nach Einschätzung von Experten können verschüttete Personen aber auch eine Woche, in Extremfällen sogar bis zu zwei Wochen überleben, falls sie irgendwie an Wasser gelangen.

Das heftige Beben in der Provinz Sichuan vom Montag hatte eine Stärke von 7,9 erreicht. Die bestätigte Zahl der Todesopfer lag am Samstag nach Angaben von Kabinettsprecher Guo Weimin bei fast 29 000. Die Regierung rechnet insgesamt mit mehr als etwa 50 000 Toten.