Birma: Trotz Wirbelsturmkatastrophe

Junta feiert Referendum

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Jubel auf der einen, Elend auf der anderen Seite: Nach Angaben der Militärführung wurde der Verfassungsentwurf mit 92,4 Prozent der Stimmen angenommen. Internationale Hilfe lässt das Regime weiterhin nur zögerlich ins Land.

Rangun. Die Menschen in Birma haben nach Angaben der Militärjunta in dem trotz der Unwetterkatastrophe abgehaltenen Referendum mit überwältigender Mehrheit für den Verfassungsentwurf gestimmt. In dem Referendum am vergangenen Sonnabend hätten 92,4 Prozent für den Entwurf gestimmt, berichtete der staatliche Rundfunk. Die Wahlbeteiligung habe bei mehr als 99 Prozent gelegen. Internationale Hilfe für die vom Zyklon "Nargis" betroffenen Menschen lässt das Regime weiterhin nur sehr zögerlich ins Land.

In den beiden von "Nargis" besonders betroffenen Regionen, dem Irrawaddy-Delta und dem Gebiet um Rangun, wurde die Abstimmung verschoben und soll am 24. Mai nachgeholt werden. Das dortige Ergebnis könne an der Billigung des Verfassungsentwurfs rechnerisch nichts mehr ändern, hieß es im Rundfunk. Kritiker der birmanischen Militärjunta haben den Verfassungsentwurf als undemokratisch und unfair zurückgewiesen.

Nach der Wirbelsturmkatastrophe wurde inzwischen zwar etwa 160 ausländischen Helfern aus Indien, China, Bangladesch und Thailand die Einreise erlaubt. Es war aber noch unklar, ob sie auch in das Irrawaddy-Delta, die am schwersten betroffene Region, reisen dürfen. Zusätzlich bereitete die Südostasiatische Staatengemeinschaft Asean nach UN-Angaben die Entsendung einer Expertengruppe nach Birma binnen der nächsten 24 Stunden vor. Sie sollen einen Bericht über die am dringendsten benötigte Hilfe erstellen.

Das Rote Kreuz schätzt die Zahl der Todesopfer in den vom Zyklon betroffenen Regionen in Birma unterdessen auf 68 000 bis 128 000. Die Militärjunta spricht hingegen von 38 500 Toten und 27 900 Vermissten. Ein Rotkreuz-Sprecher erklärte, derzeit handele es sich bei allen Zahlen nur um Schätzungen, die einen Eindruck davon geben sollten, wie groß der Bedarf an Hilfe sei.

Eine von Hollywoodstar George Clooney gegründete humanitäre Organisation hat indessen für die Opfer des Wirbelsturms in Birma 250 000 Dollar gespendet. Die Spende würden über die Organisation Save The Children abgewickelt, weil diese eine der wenigen sei, die in Birma vor Ort vertreten sei, erklärte Alex Wagner, Geschäftsführer von Not On Our Watch.

Diese Organisation wurde von Clooney gemeinsam mit anderen "Ocean's Thirteen"-Stars wie Don Cheadle, Matt Damon und Brad Pitt sowie Produzent Jerry Weintraub und dem Menschenrechtsanwalt David Pressman gegründet. Not On Our Watch hat bereits mehrere Millionen Dollar für die Opfer in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur gespendet.

( ap )