Irak

Waffenstillstand in Sadr City

Die Bewegung des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr hat nach eigenen Angaben eine Waffenruhe mit der irakischen Regierung in Bagdad vereinbart.

Damit solle den Kämpfen im Bagdader Schiitenviertel Sadr City ab Sonntag ein Ende gesetzt werden, teilte der Sprecher der Organisation, Salah el Obeidi, am Sonnabend in Nadschaf mit. "Wir werden das Feuer einstellen, Waffen nicht länger in der Öffentlichkeit tragen und alle Straßen nach Sadr City öffnen", sagte Obeidi. Die Vereinbarung sehe jedoch weder die Entwaffnung noch die Auflösung der Mahdi-Miliz Sadrs vor, sagte Obeidi.

Die Absprache beinhalte das "Recht der bewaffneten Kräfte und der Sicherheitskräfte, gegen gesuchte Personen vorzugehen", sagte der Sadr-Sprecher weiter. Dies müsse jedoch unter Wahrung der Menschenrechte geschehen. Nach Angaben von Obeidi einigten sich Vertreter der Sadr-Bewegung und eine Delegation von Regierungschef Nuri el Maliki bei Gesprächen auf den Waffenstillstand. "Die beiden Gruppen stimmten bei zehn von 14 diskutierten Punkten überein", sagte er weiter.

Bei den Kämpfen zwischen irakischen Streitkräften und der US-Armee gegen Sadrs Mahdi-Miliz wurden seit Ende März rund tausend Menschen getötet. Anfang April hatte Sadr seine Gefolgsleute bereits zum Rückzug aufgerufen. Nach einer Woche relativer Ruhe flammten jedoch erneut Kämpfe in Bagdad auf.

Sadr City gilt als Hochburg der Anhänger des Schiitenführers. Das US-Militär und die irakische Armee errichteten bereits Mauern um Teile des Stadtviertels, um Bewaffnete davon abzuhalten, Raketen und Granaten auf die streng bewachte Grüne Zone in Bagdad abzufeuern. Dort sind die irakischen Regierungsinstitutionen und die Botschaft der USA untergebracht.

19 Tote in 24 Stunden

In Bagdad sind bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und schiitischen Extremisten nach Angaben von Krankenhäusern binnen 24 Stunden 19 Menschen getötet worden. 116 Menschen seien verletzt worden, darunter auch Kinder, teilten Krankenhaus-Sprecher am Sonnabend mit. Andere Quellen sprechen von mindestens 13 Toten und etwa 77 Verletzten.

Allein elf Extremisten wurden demnach getötet, als sie am Freitag im Stadtteil Sadr City eine US-Einheit angriffen. Acht weitere Aufständische seien bei anderen Gefechten in überwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln erschossen worden, hieß es am Sonnabend weiter.