Hisbollah kündigt Rückzug an

Beirut. Nach mehrtägigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen in der libanesischen Hauptstadt hat die schiitische Hisbollah-Miliz am Sonnabend den Rückzug ihrer Kämpfer angekündigt. Sie kam damit einer Aufforderung der Armeeführung nach. Die Kampagne des zivilen Ungehorsames werde aber fortgesetzt, bis alle Forderungen erfüllt seien, hieß es in einer Erklärung weiter, die vom Sender der Miliz verbreitet wurde.

Die libanesische Militärführung hatte kurze Zeit zuvor die verfeindeten Milizen zum Rückzug aus Beirut aufgerufen und den Soldaten befohlen, die Sicherheit in der Hauptstadt wiederherzustellen. Mit dem umstrittenen privaten Telekommunikationsnetz der Hisbollah solle sich das Fernmeldekorps der Armee befassen, hieß es in der Erklärung weiter. Ein Leiter des Sicherheitsdienstes auf dem Flughafen, der von der pro-westlichen Regierung wegen seiner Verbindungen zur Hisbollah entlassen worden war, dürfe seinen Posten behalten.

Die Ankündigungen wurden als Zeichen des Zugeständnisses an die schiitische Miliz gesehen, die in den vergangenen Tagen in heftigen Straßenkämpfen fast alle muslimischen Viertel Beiruts unter ihre Kontrolle gebracht hat. Die Entlassung des Sicherheitschefs und die Erklärung der Regierung, das Telekommunikationsnetz der Hisbollah sei illegal, hatten die schlimmsten Unruhen in Libanon seit Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1990 ausgelöst.