Birma

Erster Uno-Hilfskonvoi angekommen

Über den Landweg ist der erste Hilfskonvoi der Vereinten Nationen am Sonnabend in Birma angekommen. Rotes Kreuz hat keine Probleme.

Die Hilfsgüter seien über Thailand in das Land gelangt, teilte das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf mit. Zwei Lastwagen mit insgesamt 20 Tonnen Material, darunter Zelte und Plastikplanen, hätten ungehindert die Grenze passieren können.

"Wir hoffen, dass (dieser Konvoi) einen möglichen humanitären Korridor öffnet, damit weitere internationale Hilfe zu den Opfern des Zyklons gelangt", sagte der UNHCR-Vertreter in Thailand, Raymon Hall, laut der Erklärung der Organisation. Mitarbeiter des UNHCR seien an der birmanischen Grenze und würden das Verladen der Hilfsgüter auf birmanische Fahrzeuge überwachen. Der Konvoi solle bis nach Rangun begleitet werden.

Hilfsflüge des Internationalen Roten Kreuzes für die Opfer des Zyklos sind nach Angaben der deutschen Organisation bisher nicht behindert worden. In der vergangenen Woche seien zwei Flüge mit Hilfsgütern in Rangun gelandet und die Care-Pakete auch an Bedürftige ausgeteilt worden, sagte die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Svenja Koch. Insofern sei das Rote Kreuz nicht von den Schwierigkeiten anderer Hilfsorganisationen betroffen, die von den Militärmachthabern in Birma nicht ins Land gelassen werden. Vom DRK warteten nirgendwo Mitarbeiter auf ihre Einreise nach Birma.

Während die Uno ihre erste Lieferung hat abgeben können, will Frankreich eine eigene Hilfsaktion für die Zyklon-Opfer in Birma organisieren und dafür ein Kriegsschiff einsetzen. "Wir haben entschieden zu handeln, ohne weiter zu warten", sagte Außenminister Bernard Kouchner der Zeitung "Le Figaro". Frankreich werde das Kriegsschiff "Mistral" mit 1500 Tonnen Hilfsgütern entsenden.

"Die Hilfe wird direkt an die Betroffenen verteilt (...), entweder durch die Besatzung des Schiffs oder durch französische Hilfsorganisationen", sagte Kouchner. "Es kommt nicht infrage, die Hilfe direkt an die Junta zu liefern", fügte er hinzu. "Dieses Regime ist zu allem fähig - selbst dazu, inmitten einer Naturkatastrophe eine Verfassungsabstimmung zu organisieren", betonte Kouchner.

Frankreich wolle sich weiter für eine Resolution des UN-Sicherheitsrats einsetzen. "Es gibt eine Verantwortung, eine Bevölkerung in Gefahr zu beschützen", sagte Kouchner.

Militärjunta hält Referendum ab

Die Militärjunta in Birma hat trotz internationaler Proteste am Sonnabend ihr umstrittenes Verfassungsreferendum abgehalten. Tausende Regierungsbeamte hatten sich ungeachtet der Zyklon-Katastrophe mit zehntausenden Toten und mehr als einer Million Hilfsbedürftigen die ganze Woche um die Vorbereitung des Wahlgangs gekümmert. Appelle der Vereinten Nationen, sich auf die Opferhilfe zu konzentrieren und das Referendum zu verschieben, ignorierte die Junta. Nur in 47 der am schlimmsten betroffenen Bezirke darf in zwei Wochen nachgewählt werden.

Die Opposition rechnete mit massivem Wahlbetrug seitens der Junta. "Ich bin bezahlt worden, deshalb habe ich mit Ja gestimmt", gab Verkäuferin Zaw Min Hla (24) im Bezirk Hlegu am Rande Ranguns freimütig zu. Nach Angaben der Opposition haben Staatsbetriebe ihre Angestellten geschlossen zu Ja-Stimmen gezwungen. In Rangun hatten in den vergangenen Tagen aber viele Menschen aus Wut über die ausbleibende Hilfe Nein-Stimmen angekündigt.

Es ist das erste Mal seit 1990, dass in Birma gewählt wird. Das Ergebnis der damaligen Wahl, die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi haushoch gewonnen hatte, ignorierte die Junta. Dieses Mal geht es um die Abstimmung über eine neue Verfassung, mit der das Regime seine Macht zementieren will.

Aberglaube gegen Religion

Auch die Opposition hatte eine Verschiebung gefordert - vor allem, um den Hunderttausenden, die bei der Katastrophe vor einer Woche Angehörige verloren, Zeit zum Trauern zu geben. "Nach buddhistischem Ritus gehen Trauernde eine Woche nach dem Tod ihrer Lieben in den Tempel und beten für die Verstorbenen", sagte Win Min, ein Dozent für Birma-Studien in der Universität von Chiang Mai in Thailand. "Stattdessen sollten sie jetzt zu den Wahllokalen gehen." Der abergläubische Juntachef Than Shwe habe auf Anraten von Astrologen darauf bestanden, an dem Wahltermin festzuhalten, sagte Win Min.