Ölpreise auf Rekordständen:

Furcht vor Engpässen - Tanken teurer

Die Furcht vor Angebotsengpässen hat die Preise auf den Ölmärkten vor den Feiertagen auf neue Höchststände getrieben. Auch die deutschen Autofahrer bekommen den Höhenflug heftig zu spüren.

Kurz vor Pfingsten und den Ferien in vielen Bundesländern erklommen die Preise für Benzin und Diesel Rekordstände. Autofahrer mussten am Donnerstag an Markentankstellen für einen Liter Super im Schnitt 1,49 Euro bezahlen, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg mit. Das ist der gleiche Stand wie vor einer Woche am 1. Mai. Diesel ist mit 1,43 Euro je Liter sogar einen Cent teurer geworden.

Vor dem Hintergrund immer neuer Anschläge auf Förderanlagen in Nigeria kletterte der US-Ölpreis im Handelsverlauf auf einen Höchststand von 123,90 Dollar je Barrel (159 Liter). Seit Wochenbeginn stieg der Preis bisher um rund sieben Dollar und erreichte jeden Tag einen neuen Rekordstand.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zog am Donnerstag in der Spitze bis auf einen Rekord von 122,79 Dollar an. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) stieg nach OPEC-Angaben vom Donnerstag am Vortag auf den Rekordstand von 116,03 Dollar.

"Momentan gibt es einen richtigen Run auf Rohöl", begründet Thorsten Proettel, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW) den anhaltenden Preisschub. "Die Angst vor einer Angebotsverknappung ist sehr groß. Die immer höher steigenden Preise schüren diese Angst weiter." Ausgelöst worden sei diese durch die gespannte Lage in Nigeria. Zuletzt wurde die Förderung im größten Ölförderland Afrikas durch immer neue Anschläge beeinträchtigt. Ein Ende dieser Anschlagsserie ist laut Proettel nicht in Sicht.

Einige Beobachter erwarten jedoch eine baldige Konsolidierungsphase. "Derzeit schauen die Märkte nur auf Meldungen, die günstig für den Ölpreis sind", sagte Victor Shum, Rohölanalyst bei Purvin and Gertz. Dies könne sich leicht kurzfristig in die andere Richtung ändern. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs hält aber innerhalb von zwei Jahren einen weiteren Anstieg der Ölpreise auf 150 bis 200 Dollar je Barrel für möglich.

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