Transrapid-Unglück: Neue Zeugenaussagen

Doch kein Streit vor Horror-Crash?

Die Angaben der Angeklagten zur Ursache des schweren Transrapid-Unglücks mit 23 Toten sind ins Wanken geraten. Der frühere Betriebsleiter und dessen Vorgänger hatten von einem heftigen Streit auf dem Leitstand der Teststrecke im Emsland gesprochen. Dem widersprach nun ein Elektroniker als Zeuge im Prozess vor dem Landgericht Osnabrück.

Osnabrück. Der 43-Jährige saß nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des angeblichen Streites bei offener Tür in einem Büro neben dem Leitstand. "Ich habe kein lautes Gespräch und keinen Streit gehört", versicherte er.

Der 50-jährige damalige Betriebsleiter und sein 67-jähriger Vorgänger hatten als Angeklagte im Prozess berichtet, kurz vor dem Unfall am 22. September 2006 seien der Fahrdienstleiter und zwei Kollegen so in ein Streitgespräch verwickelt gewesen, dass sie alles andere vergessen hätten. Die Magnetbahn prallte auf ein Wartungsfahrzeug.

Der Elektroniker sagte als Zeuge, der Fahrdienstleiter habe ihm erst vor zwei Tagen erklärt: "Wenn überhaupt, hat es ein normales Gespräch gegeben." Der Fahrdienstleiter wurde mit den beiden Betriebsleitern wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er steht nicht mit ihnen vor Gericht, weil er wegen Suizidgefahr verhandlungsunfähig ist. Nach Angaben des Elektronikers ist er aber wieder auf der Teststrecke beschäftigt. "Ich weiß nicht, ob das eine Art Rehabilitationsmaßnahme ist", sagte der Zeuge.

Ein weiterer Teilnehmer des angeblichen Streits in der Teststrecken-Zentrale machte vor Gericht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht als möglicher Beschuldigter Gebrauch. Der stellvertretende Betriebsleiter machte nur Angaben zu seinen Aufgaben auf der Strecke. Zu Vorgängen auf dem Leitstand sagte er lediglich: "Ich würde mich gern äußern, es lässt sich alles aber schnell missverstehen."

Auch der dritte Teilnehmer des Gesprächs, der stellvertretende Fahrdienstleiter, hat über seinen Anwalt bereits eine Aussage im Prozess verweigert. Ihn und den Elektroniker hatten die beiden Angeklagten als Gewährsleute für den Streit angegeben. Sie selbst hatten nach eigener Aussage nur über Umwege erfahren von dem Vorfall erfahren.

Nach Angaben der Polizei fehlen zudem in den Tonaufzeichnungen der Transrapid-Teststrecke Hinweise auf einen Streit kurz vor dem Unfall. Man habe die Aufzeichnungen des Funkverkehrs sehr oft angehört, berichtete der Leiter der Untersuchung bei der Kriminalpolizei. Man habe dabei aber zu keiner Zeit Anhaltspunkte für einen Streit gefunden.

Ein weiterer Polizeibeamter berichtete vor Gericht über die schwierige Identifizierung der Toten. Nach der Bergung sei man zunächst von 25 Todesopfern ausgegangen. "Wir wussten erst am Abend, dass wir 23 Tote hatten", sagte er.

Das Gericht wollte am Donnerstag noch vier Überlebende des Unglücks als Zeugen hören. Für den Prozess sind bislang noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Dem Betriebsleiter und seinem Vorgänger wird vorgeworfen, den Einsatz der Fahrweg-Sperre bei Wartungsarbeiten nicht verbindlich angeordnet zu haben.