Deutsches Historisches Museum in Berlin

"Hall of Fame" für deutsche Sporthelden gegründet

Steffi Graf, Boris Becker und Katharina Witt müssen noch draussen bleiben. Die neue Ruhmeshalle des deutschen Sports würdigte beim feierlichen Gründungsakt am Dienstag in Berlin im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler erstmal verdiente Sportpersönlichkeiten wie Max Schmeling, Hans Frömming, Franz Beckenbauer oder Gottfried von Cramm.

Anspruch auf Vollständigkeit erhob die Deutsche Sporthilfe als Ideengeber dieses ehrgeizigen Projekts bei der Auswahl der ersten 40 Mitglieder nicht. Vor allem vor dem Hintergrund des Nazi-Regimes und des DDR-Sports sei es ein Problem, "gerecht, endgültig und frei zu bewerten", so der ehemalige Sporthilfe-Vorsitzende Hans Wilhelm Gäb, der im April 2006 den Grundstein für die deutsche "Hall of Fame" gelegt hatte.

Vor mehr als 300 Gästen aus Politik und Sport, darunter auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, wurde die vorerst nur virtuelle Institution immer wieder als "wertvoller Ort der Erinnerungen" gelobt.

Eine permanente Pilgerstätte für Fans soll es vorerst nicht geben. 2009 ist eine Wanderausstellung geplant. Hamburg, Berlin oder Köln sind später als fester Standort vorgesehen.

Fußball-Legende Uwe Seeler nannte den Ehrentempel "eine wichtige Traditionspflege und Einrichtung für die Jugend", Handball- Bundestrainer Heiner Brand komplimentierte den "überfälligen Einfall der Wertschätzung" und der oberste deutsche Sportfunktionär Thomas Bach freute sich über die "verdienstvolle Auseinandersetzung mit der Geschichte". "Die Geschichte des Sports ist von der deutschen Geschichte nicht zu trennen. Das zeigt auch die Bedeutung des Sports", erklärte Schäuble, gleichzeitig Vorsitzender der 25-köpfigen Auswahljury, die die schwierige Aufgabe hatte, Leistung. Haltung und gesellschaftliches Engagement beurteilen zu müssen. 32 Mitglieder wurden posthum berufen.

Zur Vergangenheitsbewältigung gehört auch die Kritik, dass einige prominente Mitglieder wie Radfahrer Gustav Kilian, Leichtathlet Rudolf Harbig und die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Sport-Funktionäre Willi Daume, Josef Neckermann und der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger der NSDAP angehörten. In der Selektion offenbare sich die "Gebrochenheit und Widersprüchlichkeit der deutschen Geschichte", betonte Thomas Mergel, Professor für Europäische Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität in seiner Rede, "es zeigt aber auch das Bewusstsein und der Wille, nicht nur an das eine zu erinnern und das andere zu verschweigen."

Der DDR-Sport unter dem Gesichtspunkt des staatlich verordneten Dopings ist in der "Hall of Fame" bisher nur durch den viermaligen Schwimm-Olympiasieger Roland Matthes vertreten. Von den deutschen Vorzeige-Athletinnen wurden bisher nur drei in den elitären Club aufgenommen. "Das ist sehr schade. Warum weiß ich auch nicht, aber das wird sich hoffentlich bald ändern", kommentierte Ski-Idol Rosi Mittermaier, Doppel-Olympiasiegerin von 1976. Jedes Jahr können bis zu drei neue Ikonen dazukommen.