Birma nach dem Sturm: Diktatur bittet um Hilfe

Zahl der Opfer steigt auf 22 000

Die Regierung von Birma hat ihre Angaben am Abend erneut korrigiert und spricht nun von mehr als 22 000 Toten durch die Zyklon-Katastrophe, bislang war sie von 15 000 Opfern ausgegangen. Hunderttausende sind obdachlos. Die Kritik an der Militärregierung wächst.

Rangun. In der Katastrophenregion fehlt es fast überall an Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Mit einem für das abgeschottete Regime ungewöhnlichen Hilferuf wandte sich der Informationsminister vor der lokalen Presse in Rangun am Dienstag an die Öffentlichkeit: "Wir brauchen Hilfe auch aus dem Ausland, wir freuen uns darüber", sagte Kyaw Hsan. Unterdessen wuchs die Kritik an der Regierung, die die Menschen unzureichend vor der nahenden Katastrophe warnte.

Das Staatsfernsehen berichtete am Abend nach Angaben der BBC von 22 000 Todesopfern. 2500 Menschen würden noch vermisst. Allein in Bugalay im Irrawaddy-Delta kamen nach seinen Angaben 10 000 Menschen ums Leben, in Laputta 1000 Menschen und auf den beiden Inseln Haing Kyi und Mawlamyaing vor der Südküste knapp 3000. In Rangun seien mindestens 59 Menschen getötet worden.

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Der Zyklon "Nargis" war am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern in der Stunde über die Südküste hereingebrochen. Straßen und Brücken wurden zerstört. Die Versorgung der Überlebenden ist äußerst schwierig. In Rangun waren nach Angaben des Exilsenders "Democratic Voice of Burma" Feuerwehrwagen unterwegs, um die Menschen mit Wasser zu versorgen. Allerdings hätten sie sich dies teuer bezahlen lassen. Nur wer die Gebühr entrichtet habe, durfte sich anstellen.

Die britische Hilfsorganisation "Save the Children" begann in Rangun mit der Verteilung von zwei Tonnen Nahrungsmitteln. Dort seien tausende Obdachlose hilflos in völlig überfüllten Notunterkünften zusammen gepfercht, teilte die Organisation mit. Das Internationale Rote Kreuz stellte laut BBC Tabletten zur Wasserreinigung sowie Moskitonetze in den am schwersten betroffenen Gebieten zur Verfügung. Thailand schickte am Dienstag eine Maschine mit Medikamenten und Nahrungsmitteln nach Birma, China hat eine ähnliche Lieferung angekündigt. Aus Indien machten sich zwei Marineschiffe mit Zelten, Medikamenten, Nahrungsmitteln und Decken auf den Weg. Die EU, Deutschland, Frankreich, die USA und Indonesien haben Geld und Hilfe angeboten.

Wann und wie Hilfsgüter verteilt werden sollen, war aber am Dienstag noch völlig unklar. "Wir können noch keine Einzelheiten nennen", sagte Sozialminister Maung Maung Swe bei der Pressekonferenz in Rangun. Die Militärjunta lässt selbst die wenigen in Rangun zugelassenen ausländischen Hilfsorganisationen praktisch nicht in die Regionen reisen. Das müssen jeweils Ortskräfte erledigen, die aber selbst betroffen sind.

Dissidenten warfen der Militärjunta unterdessen vor, die Bevölkerung nicht ausreichend gewarnt zu haben. "Sie waren zu sehr damit beschäftigt, ihr Referendum vorzubereiten", sagte ein Sprecher der Opposition im Exil, Soe Aung, in Bangkok. Er rief die Junta auf, den Urnengang zu verschieben. Dabei sollte das Volk über eine neue Verfassung abstimmen, die die Macht des Militärs zementiert.