Prozess: Nach tödlichen Schüssen auf Immobilienmakler

Rätselhafter "Fensterbohrer" soll lebenslang hinter Gitter

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Der als "Fensterbohrer" bekannte mutmaßliche Serieneinbrecher und Mörder Americo S. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zeitlebens hinter Gitter.

Vor dem Landgericht Wiesbaden beantragte die Staatsanwältin am Mittwoch eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes für den 63-jährigen Angeklagten aus Uruguay. Der Mann hatte bei einem Einbruch in Hamburg 2004 den Immobilienmakler Frank P. erschossen, der ihn zu stellen versuchte. Außerdem forderte die Staatsanwältin Sicherungsverwahrung, weil bei dem Angeklagten auch nach einer Haftentlassung weitere Straftaten zu befürchten seien. Das Urteil wird am 5. Mai gesprochen.

Der rätselhafte Einbrecher hatte die Polizei im Rhein-Main-Gebiet über Jahre in Atem gehalten, bis er am 1. Juni 2007 in Wiesbaden- Sonnenberg verhaftet wurde. Technisch äußerst geschickt drang er in Häuser und Wohnungen in wohlhabenden Stadtvierteln ein. Andererseits hinterließ er an vielen Stellen DNA-Spuren - am Tatort trank er aus Wasserflaschen oder aß unbekümmert. Wenn er von den Einbruchsopfern bemerkt wurde, wehrte er sich mit Pistolenschüssen, die mehrfach nur knapp ihr Ziel verfehlten. Die Staatsanwältin sprach deshalb von versuchtem Mord in drei Fällen.

"Der Angeklagte schweigt weitgehend in diesem Verfahren", sagte die Justiz-Vertreterin. In den drei Prozessmonaten seit Ende Januar äußerte sich der Angeklagte nicht zur Sache. Gelegentlich rechtfertigte er sich in weitschweifigen Reden als moderner Robin Hood, der den Reichen nehme und den Armen gebe. Er bezeichnete sich als politischen Gefangenen, der eigentlich vor ein "Weltgericht" gehöre. Die Opfer, die sich ihm in den Weg gestellt hätten, seien selbst schuld. Der Angeklagte hege ein großes "Gefühl der eigenen Wichtigkeit", er stelle seine Leiden über die Leiden der Opfer, sagte die Staatsanwältin.

Wenn er nicht auf Einbruchstour war, lebte der Angeklagte bei einer Lebensgefährtin in Mainz, die er auch mit Diebesgut beschenkte. Es sei trotzdem ein "ausbeuterisches Verhältnis" gewesen, sagte die Staatsanwältin, worauf ihr der Angeklagte - vom Vorsitzenden Richter ungesehen - den Vogel zeigte.

( dpa )