Nordkirche: Einigung auf Standort

Lübeck soll Sitz von Bischof und Kirchenamt werden

Wenn die Synoden dem Vorschlag zustimmen, wird das geographische Zentrum auch zur Verwaltungszentrale der geplanten gemeinsamen Kirche in Norddeutschland.

Schwerin. Auf den Standort verständigten sich die Kirchenleitungen von Mecklenburg, Nordelbien und Pommern bei einem Treffen in Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg). Lübeck in der geographischen Mitte der drei Kirchen stehe als symbolisches Zeichen für die Bildung der neuen Kirche, sagte die Vorsitzende der Steuerungsgruppe, die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, am Montag. Zur Wahl als Sitz des Leitenden Landesbischofs und des Kirchenamtes hatten außer Lübeck auch Kiel, Hamburg und Schwerin gestanden.

Voraussichtlich im September werden die Synoden der drei Landeskirchen über den Fusionsvertrag und damit auch über den Bischofssitz abstimmen. Mit dem Votum der Steuerungsgruppe wurde ein monatelanges Ringen um den Standort beendet. Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich moderierte die mehrstufige Abstimmung. Wartenberg-Potter begründete die Entscheidung für Lübeck unter anderem damit, dass sich die Stadt als Mitte zwischen ländlichen und städtischen Belangen von drei Landeskirchen erwiesen habe.

Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, Andreas von Maltzahn, sagte: "Die Erfahrungen Lübecks als Stadt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze werden helfen, die Herausforderungen des Zusammenwachsens von Ost und West wach im Blick zu behalten. Mit der gemeinsamen Entscheidung für Lübeck ist die Nordelbische Kirche den Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern einen Schritt entgegengekommen."

"Obwohl es zunächst nur ein Vorschlag ist, freue ich mich sehr über diesen Etappenerfolg für Lübeck", sagte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) am Montag. Die Hansestadt, die ihren Status als Bischofssitz gerade im Zuge der Strukturreform der Nordelbischen Kirche an Kiel verloren hat, werde dadurch wieder aufgewertet und gewinne sogar nach an Bedeutung, sagte Saxe.

Seine Kieler Kollegin Angelika Volquartz (CDU) bedauerte das Votum: "Für Kiel wäre diese Entscheidung ein herber Verlust", sagte Volquartz zu der Vorfestlegung der drei Kirchenleitungen auf ein norddeutsches Kirchenamt in Lübeck. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt habe ein hervorragendes Angebot zur Gestaltung der Zukunft unterbreitet. "Und Kiel hat jahrzehntelang bewiesen, dass sich eine Nordkirche von hier aus hervorragend gestalten und verwalten lässt." Kiel werde sehr genau darauf achten, dass ein Wechsel des Kirchenamtes von der Förde an die Trave für die Mitarbeiter sozialverträglich gestaltet und mit Übergangsfristen ausgestattet werde.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sagte, der Standort Lübeck mit seinen ehrwürdigen Kirchen bedeute für alle Seiten einen Neuanfang, der für die Beteiligten Herausforderung und Chance zugleich sei. Die Nordkirche soll voraussichtlich zum 1. Januar 2012 gegründet werden. Sie wird ein Gebiet von knapp 40 000 Quadratkilometern von Flensburg bis Hamburg, von Sylt bis Usedom umfassen. Von den mehr als sechs Millionen Einwohnern sind derzeit rund 2,4 Millionen Mitglieder einer evangelischen Kirchengemeinde. Das Kirchensteueraufkommen der Nordkirche wird nach gegenwärtigen Schätzungen knapp 325 Millionen Euro betragen.