Konflikt

Ver.di kündigt Post-Streik an

Deutschland steht ein unbefristeter Post-Streik bevor. Der Arbeitskampf solle spätestens am 2. Mai beginnen, teilte ver.di am Sonnabend in Düsseldorf mit. Die Tarifkommission hatte am Nachmittag für einen Streik gestimmt.

Düsseldorf. Pro forma sollen noch die Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung über den Arbeitskampf entscheiden. Das Ergebnis soll am 30. April vorliegen. Eine hohe Zustimmung der Beschäftigten sei zu erwarten. "Die Beschäftigten sind sauer, stinkesauer - und das werden sie in den nächsten Tagen der Post zeigen", sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Vom 2. Mai an könnten die Beschäftigten dann in einen Dauerstreik treten. Es wäre der erste große Poststreik seit 1994. Kocsis betonte jedoch, ihre Gewerkschaft sei jederzeit vorher in der Lage, Streiks auszuführen. Man wolle die Post treffen und die eigene Strategie deshalb nicht bekannt geben.

Auch vor dem Beginn des unbefristeten Streiks müssen sich die Kunden laut ver.di darauf einstellen, "dass die Beschäftigten der Post in den nächsten Tagen ihren Unmut äußern werden". Die Post müsse sehen, wie sie "mit diesem Arbeitskampf umgeht". Ver.di könne dem Management jetzt nur noch empfehlen, "zur Besinnung zu kommen". Die Post müsse nun ein neues Angebot vorlegen, betonte Kocsis. "Sie muss sich bewegen."

In der Nacht zum Sonnabend waren der Verhandlungsmarathon für die 130.000 Beschäftigten ergebnislos abgebrochen worden. Das jüngste Post-Angebot wies ver.di als "pure Provokation" zurück. Zwar scheine es, als ob die Arbeitszeit nur um eine halbe Stunde auf 39 Stunden erhöht werde. Tatsächlich sehe die Post jedoch eine Erhöhung um zweieinhalb Stunden vor, weil entsprechende Entlastungspausen wegfallen sollten. Zudem sollten 12.500 volle Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Post brächte dieses Angebot Einsparungen in Höhe von 502 Millionen Euro.

Die Post sprach hingegen von einem "attraktiven Angebot". Die Offerte sehe eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, eine Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Woche und eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 vor. Wer das Angebot ausschlage, vertrete "nicht wirklich die Interessen unserer Mitarbeiter", sagte Personalvorstand Walter Scheurle. Man sei aber weiter uneingeschränkt gesprächsbereit. Jetzt sei es an ver.di, sich zu bewegen.

"Griff in die Tasche der Beschäftigten"

Ver.di-Sprecher Günter Isemeyer sagte, das Arbeitgeberangebot würde "einen Griff in die Tasche der Beschäftigten bedeuten". Die angebotenen 5,5 Prozent Lohnerhöhung entsprächen auf 26 Monate gerechnet einem Volumen von 2,2 Prozent entsprechen.

Die Arbeitgeber betonten dagegen, für eine sechs Minuten längere Arbeitszeit pro Tag würden die Mitarbeiter "39 Monate Kündigungsschutz bei einer angemessenen Lohnerhöhung" bekommen, wie Personalvorstand Scheurle sagte.

In den seit Wochen andauernden Verhandlungen wollte die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie die Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Mitte 2011 und zehn sogenannte Arbeitszeitverkürzungstage pro Jahr durchsetzen.

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