Proteste

Fackellauf in Thailand bleibt friedlich

Der olymische Fackellauf in Thailand ist am Sonnabend friedlich geblieben. Nur vereinzelt waren Demonstranten zu sehen, die gegen das Vorgehen Chinas in Tibet protestierten.

Bangkok/Peking. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht. Nur an einer Stelle schrien sich Tibet-Aktivisten und China-Sympathisanten gegenseitig nieder, aber der Fackelläufer zog unbehelligt vorbei. Die insgesamt 80 Läufer absolvierten den zehn Kilometer langen Parcours in der Hauptstadt Bangkok ansonsten ohne Zwischenfälle, flankiert von den umstrittenen chinesischen Fackelwächtern und unter den Augen von 2.000 Polizisten und Soldaten. Die Behörden hatten so viele Sicherheitskräfte aufgeboten, um antichinesische Störungen wie zuvor in London, Paris und San Francisco zu verhindern.

Vor dem Gebäude der Vereinten Nationen hatten sich etwa 400 Tibet-Aktivisten eingefunden. Sie riefen Slogans wie "Freiheit für Tibet", als die Fackelläufer sich näherten. Doch wurden ihre Stimmen von rund 200 lautstarken Gegendemonstranten in roten T-Shirts übertönt. "Wir waren bestürzt, dass sie so aggressiv waren", sagte Pooja Patel, Sprecherin der Tibet-Aktivisten. "Aber wir haben die Situation unter Kontrolle gehalten, und die Demonstration blieb friedlich." Bei den China-Befürwortern handelte sich nach Angaben von Augenzeugen überwiegend um chinesische Studenten.

Die Fackel war am Freitag von Indien kommend in Bangkok eingetroffen. In Neu-Delhi war sie praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Straßen getragen worden.

Proteste in China

In China gab es am Sonnabend vor allem vor Kaufhäusern der französischen Einzelhandelskette Carrefour Proteste. Demonstranten forderten einen Warenboykott. In einem Kaufhaus in Hefei (Provinz Anhui) randalierten die Demonstranten, wie Bilder auf Internetseiten zeigten. Auch vor der Botschaft Frankreichs und der nahe gelegenen französischen Schule in Peking gab es Proteste. Die Polizei riegelte die Straßen um die französische Botschaft weiträumig ab. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete auch über Proteste in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei, Qingdao in der Provinz Shandong und Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan.

In Neu-Delhi setzten unterdessen rund 200 Exiltibeter nach mehrtägiger Unterbrechung ihren Protestmarsch fort. Die Demonstranten trugen Bilder ihres geistlichen Oberhaupts, des Dalai Lamas. Die Teilnehmer wollen nach Tibet ziehen, um dort zu Beginn der Olympischen Spiele im August einzutreffen.

Die buddhistische Klöster in der tibetischen Hauptstadt Lhasa dürfen ihre religiösen Feiern wiederaufnehmen. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonnabend, eines der größten Klöster, Deprung, werde bald wieder fünf Mal im Monat buddhistische Zeremonien feiern. Ein Datum wurde nicht genannt. Die Klöster sollten in "naher Zukunft" auch für den Tourismus wieder geöffnet werden.

Auch die englischsprachige Zeitung "China Daily" berichtete unter Berufung auf eine Erklärung der chinesischen Regierung, Tibet werde bald wieder für Touristen geöffnet. Die Klöster in Lhasa wurden während der Unruhen Mitte März von Soldaten umstellt. Ermittler der chinesischen Regierung kamen seitdem in die Klöster, um Mönche aufzuspüren, die an den Protesten beteiligt gewesen sein sollen. Ausländer erhalten seit Beginn der Proteste keine Einreiseerlaubnis in die Himalaya-Region mehr.

Seit dem Start des internationalen Fackellaufs am 24. März in Griechenland ist es an etlichen Orten zu heftigen Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik gekommen. Die olympische Flamme soll von Australien nach Japan kommen und von dort nach Südkorea weiterreisen.