Terrorverdacht

Deutscher seit Januar in Haft

Seit mehr als drei Monaten hält das US-Militär einen möglicherweise geistig verwirrten Deutschen in Afghanistan fest.

Berlin. Dem Mann afghanischer Herkunft werde vorgeworfen, sich unerlaubt auf einem amerikanischen Stützpunkt aufgehalten zu haben, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonnabend mit. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sei mit der amerikanischen Seite in der Angelegenheit in Verbindung und bemühe sich um die Freilassung. Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul hätten Zugang zu dem Gefangenen.

Wie die Presseagentur AP aus Sicherheitskreisen erfuhr, handelt es sich bei dem Mann um eine "medizinisch auffällige, verwirrte Person". Der Deutsche sei einfach "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen. Offenbar habe er vorgehabt, auf dem US-Stützpunkt einzukaufen, sich dabei aber auffällig verhalten. Beim anschließenden Verhör habe der Mann zudem widersprüchliche Aussagen gemacht. Auch die Tatsache, dass er iranisches Geld mit sich geführt habe, sei den US-Truppen verdächtig erschienen. Nun werde "alles versucht, um den Mann aus der Haft zu bekommen".

Ein US-Militärsprecher vom Stützpunkt Bagram ließ Fragen nach dem Gefangenen unbeantwortet. Nach seinen Angaben sind die Familie, die afghanische Regierung und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz informiert. Über diesen Rahmen hinaus gebe es keine Informationen.

Laut "Spiegel" handelt es sich bei dem Gefangenen um einen 41-jährigen Frührentner aus Wuppertal, der auf Verwandtenbesuch nach Kabul gereist war. In Haft sei er auch von Beamten des Bundesnachrichtendienstes (BND) vernommen worden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe ihn überprüft und keine Anhaltspunkte für einen Verdacht gefunden.

Weiter schrieb das Magazin, der Mann habe in einem Supermarkt des US-Militärs einen Rasierapparat kaufen wollte und sei dabei mit Geldscheinen verschiedener Währungen und Telefonkarten mehrerer Länder aufgefallen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Anfang März auch seine US-Kollegin Condoleezza Rice auf den Fall angesprochen. Laut "Spiegel" verlangen die US-Behörden von Deutschland aber umfassende Sicherheitsgarantien für den Fall seiner Freilassung. Diese kämen einer Komplettüberwachung gleich und seien nicht zu erfüllen, sagte ein deutscher Sicherheitsexperte dem Magazin.

Der Fall weckt Erinnerungen an den ehemaligen Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz aus Bremen. Der Türke war im Dezember 2001 in Pakistan festgenommen und zunächst nach Afghanistan gebracht worden. Später wurde er unter Terrorverdacht in das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba eingeliefert. Erst nach einer Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington kam er am 24. August 2006 zu seiner Familie nach Deutschland zurück.