Chinas unheimliche Wächter der "heiligen" Fackel

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China lässt die Olympische Fackel bewachen wie einen Staatsschatz. Beim Fackellauf in London und Paris schubsen bullige chinesische Schattenmänner auf ruppige Art Demonstranten, Funktionäre und Fackelträger herum.

Seit Tagen gehen die unschönen Bilder um die Welt. Als wären die Tibet-Proteste nicht peinlich genug für Peking, fällt der Gastgeber der Olympischen Spiele auch noch durch schlechtes Benehmen seiner unheimlichen Sicherheitsleute auf. Britische Läufer und Offizielle bezeichneten die Chinesen mit den Schirmmützen als "Rowdys".

Nach dem olympischen Spießrutenlauf durch Paris kam deshalb weltweit die Frage auf: Wer sind die ungehobelten Männer in den blau-weißen Trainingsanzügen? Als die Wächtertruppe im August 2007 auf ihre "heilige" Aufgabe eingeschworen wurde, zeigten Fotos junge Offiziere an einer Akademie der bewaffneten Polizei (Wujing) in Peking. Pikantes Detail: Aus den Angehörigen der Wujing rekrutiert sich auch ein Großteil der Truppen, die Berichten zufolge derzeit in Tibet und den tibetischen Gebieten Proteste niederschlagen.

Die Aufgabe des Teams sei es, "die Fackel zu schützen und den Fackellauf zu begleiten", erklärte Teamleiter Zhao Si nach Angaben der Zeitung "Huanqiu Shibao" und anderer chinesischer Medien. "Sie sollen sicherstellen, dass die Fackel nicht aufgrund unerwarteter Umstände ausgeht." Beim Fackellauf in Paris soll genau das jedoch sogar mehrfach passiert sein - was auch die umstrittene Überreaktion der Wächter erklären könnte.

Auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wächst offenbar das Unbehagen. "Wir sprechen uns gegen Gewalt aus", erklärte der IOC- Vizepräsident Thomas Bach auf eine Frage nach den chinesischen Dunkelmännern. "Oft ist es so: Je bedrohter eine positive Botschaft ist, desto wichtiger ist sie." Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd, der gerade Peking besucht, hatte schon zuvor zu verstehen gegeben, dass sein Land auf die Wachleute verzichten könne. "Ich denke, die Vorkehrungen entsprechen den Anforderungen des IOC und den Praktiken bei vorangegangenen Spielen", verteidigte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, das Vorgehen Pekings. Ein Team von 30 Wächtern soll den Fackellauf außerhalb Chinas schützen. Die athletischen Läufer sollen eigentlich eine olympische Elitetruppe darstellen. "Sie müssen täglich 24 Stunden lang einsatzfähig sein. Manche Team-Mitglieder müssen am Tag 40 bis 50 Kilometer laufen", sagt Zhao Si. Sie müssen auch Auto und Motorrad fahren können.

Eigentlich sollten die Wächter auch die örtlichen Gepflogenheiten kennen und einfache Sätze in Englisch, Spanisch, Japanisch und Deutsch beherrschen, heißt es in Peking. Sie hätten Übersetzungen für "weiter", "zurücktreten", "schnell" oder "langsam" gelernt. Doch gerade das Benehmen und die mangelnden Sprachkenntnisse der blau- weißen Bodyguards werden nun kritisiert. Sebastian Coe, Leiter des Londoner Olympischen Komitees, bemängelte, er sei bei dem Londoner Fackellauf am Sonntag gleich dreimal von den Männern angerempelt worden.