Finanzkrise:

IWF befürchtet fast eine Billion Dollar Verluste

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Allein durch fallende US-Immobilienpreise und Hypothekenausfälle seien 565 Milliarden Dollar (362 Milliarden Euro) Verluste zu erwarten, schreibt der IWF in seinem am Dienstag in Washington vorgelegten Bericht zur Stabilität der weltweiten Finanzmärkte.

Washington. Würden mit Geschäftsimmobilien verbundene US-Wertpapiere sowie Kredite für Verbraucher und Firmen hinzugezählt, könnte sich eine Summe von 945 Milliarden Dollar (603 Milliarden Euro) ergeben.

Diese vorläufigen Schätzungen, "geben einen Hinweis auf mögliche zusätzliche Belastungen des Bankenkapitals und weitere Abschreibungen", heißt es in dem Bericht weiter. Der IWF sprach von einem "kollektiven Versagen" einer ganzen Reihe von Finanzinstitutionen wie Banken, Anleiheversicherern oder Hedge-Fonds, das Ausmaß der Risiken richtig zu bewerten.

Die Zahlen des Internationalen Währungsfonds gehen weit über das hinaus, was an tatsächlichen Verlusten und entsprechenden Prognosen bekannt ist. Bislang haben Banken und Investmenthäuser nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg lediglich Krediteinbußen und Abschreibungen in Höhe von 232 Milliarden Dollar veröffentlicht. Ökonomen hatten im Februar vorausgesagt, dass sich der Schaden für Finanzinstitutionen auf 600 Milliarden Dollar summieren könnte.

"Die gegenwärtigen Turbulenzen sind mehr als nur ein Liquiditätsproblem. Sie decken tief liegende Schwächen in den Bilanzen und dünne Kapitaldecken auf", befindet der Bericht. Der Fonds warnt vor dem Risiko "einer ernsthaften Finanzierungs- und Vertrauenskrise, die droht, sich über eine erhebliche Periode hinweg fortzusetzen".

Zugleich sieht der Währungsfonds mit wachsender Sorge die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. "Dünnere Kapitalpuffer und Unsicherheit über das Ausmaß und die Verteilung der Bankenverluste (...) belasten die private Kreditaufnahme, Geschäftsinvestitionen und Vermögenswerte wahrscheinlich schwer", schreibt der Fonds. Das wirke sich dann wiederum auf den Arbeitsmarkt, Wirtschaftswachstum und Unternehmensbilanzen aus.

Die Experten des Fonds riefen Finanzinstitutionen zu größerer Transparenz und dazu auf, Abschreibungen sobald wie möglich vorzunehmen, um ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen. Zugleich befürwortet der IWF eine verbesserte Aufsicht durch die Behörden. Zentralbanken müssten "eingehender darüber nachdenken, inwieweit sie möglicherweise den Mangel an Kreditdisziplin mit befördert haben" und wie sie ihre Instrumente verbessern, Liquiditätsengpässen zu begegnen.

Der IWF warnte zwar vor "übereilter Regulierung". Jedoch sollte die Finanzpolitik Notfallpläne in Erwägung ziehen, wie sie mit einer "großen Menge in ihrem Wert verringerter Vermögenswerte umgehen, wenn Abschreibungen eine störende Dynamik entwickeln und erhebliche negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben".

Die sieben wichtigsten Industrienationen (G7) werden sich auf ein entschlossenes gemeinsames Vorgehen gegen die seit Monaten anhaltende Finanzkrise verständigen. Das kündigte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow am Dienstag in Berlin an. Er sei sehr zuversichtlich, dass es eine "sehr überzeugende, substanzielle, gemeinsame Antwort der G7" zu den Konsequenzen geben werde. Es gebe ein hohes Maß an Übereinkommen und vernünftige Vorschläge, die möglichst schnell umgesetzt werden sollten. Zudem müssten auch die Regierungen auf die jeweils spezifische Lage in ihrem Land reagieren.

Die Finanzmarktkrise und die Lage der Weltwirtschaft ist Schwerpunktthema bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des G7-Finanzminister-Treffens an diesem Wochenende in Washington.

( dpa )