US-Journalismus: Höchste Auszeichnungen vergeben

"Washington Post" gewinnt sechs Pulitzer-Preise

Lesedauer: 3 Minuten

Zu den Gewinnern gehören außerdem der New-York-Times-Reporter Walt Bogdanich, der Reuters-Fotograf Adrees Latif und auch Folk-Legende Bob Dylan steht auf der Siegerliste.

New York. Zu den preisgekrönten Veröffentlichungen der "Washington Post" gehört ein Hintergrundbericht über die schlechte Behandlung von Kriegsveteranen am Walter Reed Army Medical Center in der Hauptstadt Washington. Die Reportage hatte in den USA empörte Reaktionen hervorgerufen. Die "Washington Post" bekam dafür den als besonders angesehen geltenden Pulitzer-Preis in der Kategorie "Public Service".

Die Tageszeitung aus dem einzigen Stadtstaat der Vereinigten Staaten gewann auch in der Kategorie "Breaking News Reporting". Prämiert wurde der Beitrag über den Amoklauf des geistig verwirrten Studenten Seung Hui-Cho an der Universität Virginia Tech im US-Staat Virginia. Bei dem Massaker wurden vor knapp einem Jahr 32 Menschen getötet.

Die Nachricht über ihren Triumph ließ die Belegschaft der "Washington Post" jubeln. Die Zeitung kämpft mit sinkender Auflage und zurückgehenden Werbeeinnahmen. "Das zeigt, dass wir diese Art von Journalismus jederzeit produzieren können", sagte Leonard Downie Junior, Chefredakteur der "Washington Post". "Unsere Nachrichtenredaktion wird weiterhin groß genug sein, um Qualitätsjournalismus anbieten zu können."

Der Gewinn von sechs Kategorien stellt den bislang größten Pulitzer-Erfolg der "Washington Post" aus dem Jahr 2006 in den Schatten, als vier ihrer Beiträge prämiert wurden. Rekordhalterin bleibt mit sieben 2002 gewonnenen Pulitzer-Preisen die "New York Times".

"New York Times"-Reporter zum dritten Mal prämiert

Der Reporter Walt Bogdanich erhielt in diesem Jahr bereits zum dritten Mal einen Pulitzer-Preis. Für die "New York Times" schrieb er gemeinsam mit seinem Kollegen Jake Hooker über giftige Substanzen in aus China in die USA importierten Produkten. Giftiges Spielzeug aus China gehörte im vergangenen Jahr auch in Deutschland wochenlang zu den Topthemen der Medienberichterstattung. "Es ist genau so aufregend wie beim ersten Mal", sagte Bogdanich. "Das ist der Grund, warum ich in den Journalismus gegangen bin - um etwas zu bewegen".

Die US-Medienlandschaft durchlebt derzeit eine Umbruchsituation. Viele Tageszeitungen entlassen Mitarbeiter und fahren ihre Berichterstattung zurück. Zahlreiche Leser und Werbekunden wandern ins Internet ab. "Der Journalismus kämpft mit unsicheren Marktbedingungen. Wir Reporter müssen am Ball bleiben. Tun wir das nicht, blieben Menschen wie die Armeeangehörigen, die zusammen mit Kakerlaken lebten, ihrem Schicksal überlassen", sagte Dana Priest, die zusammen mit zwei Kollegen sechs Monate lang an der Story über das Walter Reed Medical Center arbeitete.

Bob Dylan auf der Siegerliste

Der amerikanische Pop- und Folkbarde Bob Dylan erhielt einen Sonderpreis für seinen "tiefgreifenden Einfluss auf die Popmusik", seine lyrischen Kompositionen und außerordentliche poetische Kraft.

Die Auszeichnung in der Kategorie Breaking-News-Fotografie erhielt der Reuters-Fotograf Adrees Latif für sein Bild eines japanischen Fernsehjournalisten, der bei den prodemokratischen Protesten in Birma im vergangenen Herbst tödlich verletzt wurde. Der Preis in der Kategorie Sachliteratur ging an den israelischen Historiker Saul Friedlander für sein Werk "Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Vernichtung 1939-1945".

Die Pulitzer-Awards werden von einer mit 18 Experten besetzten Jury, dem "Pulitzer Board" an der Columbia University verliehen. Die Trophäe ist nach dem 1911 gestorbenen Zeitungsverleger Joseph Pulitzer benannt. Die ersten Pulitzer-Preise wurden 1917 verliehen. Der Gewinn einer Kategorie ist mit 10 000 Dollar (6400 Euro) dotiert. Dabei bildet der Public Service Award eine Ausnahme: Die mit diesem Preis ausgezeichnete Tageszeitung erhält eine Goldmedaille.

( ap )