Landkreis Harburg

Amtsarzt gibt jahrelang Methadon ohne Therapieplan aus

Ein beim Kreis Harburg angestellter Amtsarzt soll im Rahmen einer Nebenbeschäftigung jahrelang Methadon ohne die vorgeschriebenen Therapiepläne und Kontrollen an Süchtige ausgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg habe gegen den 60-Jährigen Anklage wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in mehr als 1200 Fällen erhoben.

Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke bestätigte am Dienstag einen Bericht der "Landeszeitung Lüneburg". Danach hätten einige Abhängige beispielsweise weiterhin Drogen genommen und trotzdem Methadon von dem Mediziner bekommen.

Die Anklage lautet zudem auf Betrug. Der Arzt habe seine Methadon- Patienten zwar nicht wie vorgeschrieben betreut und kontrolliert, diese Leistungen aber trotzdem abgerechnet, erklärte Warnecke. Aus Gründen der Verjährung beschränkt sich die Anklage in diesem Punkt auf die letzen fünf Quartale und einen Schaden von 30 000 Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung will von dem Mediziner dagegen zivilrechtlich den gesamten Abrechnungsschaden von mehr als 660 000 Euro aus den Jahren 1992 bis 2007 zurückfordern.

Eine Suspendierung des Arztes solle erst geprüft werden, wenn ein Hauptverfahren vor dem Landgericht eröffnet wird, sagte ein Sprecher des Kreises Harburg. Für den Kreis gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Die Nebentätigkeit des Mediziners sei genehmigt gewesen, stehe aber nicht im Zusammenhang mit den Aufgaben des Arztes als Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes des Kreises Harburg.

( dpa )