Zeitungsbericht: Einflussnahme auf Betriebsrat

Ver.di will Aldi anzeigen

Nach einem Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' wirft die Gewerkschaft dem Lebensmitteldiscounter einen Bruch des Betriebsverfassungsgesetzes vor.

München. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat Strafanzeige gegen den Lebensmitteldiscounter Aldi Nord angekündigt. Der Grund sind die jahrelangen verdeckten Zahlungen an den ehemaligen Bundesvorsitzenden der arbeitgeberfreundlichen Betriebsräte- Organisation Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky. Im Gegenzug soll sich ein AUB-Mitarbeiter um Aldi-Betriebsräte "gekümmert" haben. Dieser sei mit 120 000 Euro pro Jahr finanziert worden.

Ver.di-Chef Frank Bsirske sprach von "kriminellen Machenschaften". Er sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Montag), das Sponsoring der AUB sei ein Bruch des Betriebsverfassungsgesetzes. Dies ist nun die Grundlage für die angedrohte Klage gegen die Supermarktkette. Das Betriebsverfassungsgesetz verbietet jede einseitige Einflussnahme von Unternehmen auf Betriebsratswahlen. "Dass Aldi sich solcher Methoden bedient, um Gewerkschaftsarbeit zu unterdrücken, lässt Zweifel an der moralischen Integrität der dort Handelnden aufkommen", sagte Bsirske.

Bsirske forderte Konsequenzen von der Aldi-Nord-Eigentümerfamilie um Theo Albrecht. Sie müsse sich entweder zu ihrer Verantwortung für das verdeckte AUB-Sponsoring bekennen oder gegenüber den Verantwortlichen in der Unternehmensleitung Konsequenzen ziehen.

Der ehemalige AUB-Chef Schelsky sitzt im Zusammenhang mit Zuwendungen in Millionenhöhe von Siemens in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sei bei ihren Ermittlungen wegen der mutmaßlich gesetzeswidrigen Kooperation von Siemens und der AUB darauf gestoßen, dass auch Aldi-Nord die Organisation insgeheim gefördert habe. Die Aldi Einkauf GmbH in Essen habe der Zeitung die Zahlungen, die bis 2006 erfolgt seien, bestätigt.