Prozess: Bombenbauer von Rellingen

Ex-Freunde belasten Angeklagte

Zufolge der Aussagen haben die Beschuldigten sehr wohl konkrete Anschlagspläne verfolgt. Die mutmaßlichen Bombenbauer hatten dies zuletzt bestritten.

Itzehoe. Die vor dem Landgericht Itzehoe am heutigen Montag gehörten Hauptzeugen der Staatsanwaltschaft sind zwei ehemalige Freunde der Angeklagten. Sie hatten damals zufällig zur gleichen Zeit "kalte Füße" bekommen und jeder für sich beschlossen auszusteigen. "Irgendwann wurde das mir zu ernst", begründete einer der beiden 19-Jährigen seinen Entschluss, die Bombenpläne zu verraten. "Wir haben uns vorstellen können, dass es durchgeführt wird", bekräftigte sein gleichaltriger Freund: Gemeinsam seien sie zur Polizei gegangen, um "reinen Tisch" zu machen. "Wir erzählten, was wir wussten: eins kam zum anderen, und wir ergänzten uns gegenseitig", sagte er. Mit dieser Aussage widersprachen die Zeugen den Angaben der Angeklagten, es habe keine konkreten Attentatspläne gegeben.

Die 19 und 20 Jahre alten Angeklagten müssen sich unter anderem wegen Verabredung zu Mord und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Sie sollen im Herbst 2002 einen Sprengstoffanschlag auf das Apfelfest in Rellingen geplant haben. Außerdem hatten die Angeklagten vor Gericht mehr als 100 andere Taten wie das Zerstechen von Reifen und die Sprengung eines Zigarettenautomaten gestanden. Dafür hatten sie einen hochexplosiven Sprengstoff aus frei verkäuflichen Substanzen des Drogerie- und Campingbedarfs hergestellt. Dieser ist ungekühlt hochempfindlich gegen jegliche Erschütterung. Er muss nach Angaben des "Sprengstoff-Vereins" in einem "sanft zu öffnendem Gefäss" aufbewahrt werden, und beim Transport in einem Auto kann schon die kleinste Straßenunebenheit zur Explosion führen.