Finanzkrise: Jahresbilanz 2007

WestLB macht 1,6 Milliarden Euro Verlust

Und kein Ende der schlechten Nachrichten in Sicht: Auch im laufenden Jahr rechnet man in Düsseldorf mit hohen Belastungen.

Düsseldorf. Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzmarktkrise haben der angeschlagenen WestLB im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro beschert. Allein die Belastungen durch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten bezifferte die Bank heute bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz 2007 auf mehr als zwei Milliarden Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Bank weitere Ergebnisbelastungen "durch die unvermeidlichen Restrukturierungsmaßnahmen".

Der scheidenden WestLB-Chef Alexander Stuhlmann zeigte sich trotz der höher als angekündigt ausgefallenen Verluste optimistisch für die Zukunft des Geldinstituts. "Wir gehen nunmehr mit aller Kraft die notwendige Restrukturierung der Bank an", sagte er. Der von den Eigentümern der Bank - dem Land Nordrhein-Westfalen, den Sparkassenverbänden Rheinland und Westfalen sowie den Landschaftsverbänden - gespannte Risikoschirm in Höhe von fünf Milliarden Euro schaffe eine stabile Basis für die weitere Entwicklung der Bank.

Mit der Risikoabschirmung würden potenzielle weitere Ergebniseinbußen bei der WestLB auf Grund künftiger Marktpreisschwankungen bei den in eine Zweckgesellschaft ausgelagerten, strukturierten Wertpapieren vermieden, betonte Stuhlmann.

Bei den Detailplanungen zum Umbau des Konzerns sei die WestLB bereits weit vorangekommen, sagte der Manager. Die Bank werde künftig mehr Gewicht auf das Mittelstandsgeschäft und die Zusammenarbeit mit den Sparkassen legen. Im Investmentbanking werde sich die WestLB auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, um die Ergebnisschwankungen zu verringern und das Risikoprofil zu verbessern.

Um Kosten zu sparen, will die Bank bis 2010 außerdem 1350 Arbeitsplätze abbauen. Ziel der Bank sei es, die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern bis 2010 auf ein zweistelliges Niveau zu steigern.

Für Stuhlmann war es wahrscheinlich der letzte große Auftritt als WestLB-Chef. Am 1. Mai wird der ehemalige DZ-Bank-Vorstand Heinz Hilgert den Chefsessel übernehmen. Der Aufsichtsrat der Bank hatte Hilgert am Dienstag einstimmig berufen.

Hilgert besitze große Erfahrungen in der erfolgeichen Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, lobte WestLB-Aufsichtsrat-Chef Michael Breuer nach der Entscheidung. Außerdem verfüge der Manager über "besondere Kompetenzen bei Fusionen und der Restrukturierung bankbetrieblicher Prozesse".

All diese Erfahrungen dürfte die Bank dringend benötigen. Denn sie befindet sich in einer Phase größter Unsicherheiten. Das bisherige Geschäftsmodell - mit einer starken Betonung des lukrativen, aber riskanten Auslandsgeschäfts - hat sich als zu gefährlich für die Bank erwiesen und in den vergangenen Jahren wiederholt existenzbedrohende Verluste verursacht.

Inzwischen sucht das Geldinstitut fieberhaft nach einem neuen Geschäftsmodell und setzt dabei vor allem auf eine Stärkung des Mittelstandsgeschäfts und der Zusammenarbeit mit den Sparkassenverbänden. Doch beurteilen viele Experten das bislang Erreichte noch nicht als ausreichend, um langfristig ein Überleben der Bank zu sichern. Es gilt als ausgemacht, dass die WestLB einen Fusionspartner braucht.