Kraftstoff-Debatte:

Höhere Biosprit-Quote vor dem Aus

Viele Fahrer älterer Autos können darauf hoffen, dass ihnen höhere Tankkosten durch einen größeren Anteil von Biosprit im Benzin erspart bleiben. Die Pläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Verdoppelung des Bioethanol-Anteils von fünf auf zehn Prozent stehen vor dem Aus. Nach Schätzungen der Autobranche vertragen mehr als eine Million Fahrzeuge den Sprit nicht.

Berlin. In diesem Fall will Gabriel das Vorhaben stoppen, um zu verhindern, dass zu viele Autofahrer auf teureres Super plus ausweichen müssen und Mehrkosten haben. Der Parlamentarische Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) rechnet bereits damit, dass die Pläne zunächst vom Tisch sind.

Müller sagte dem RBB-Inforadio, er gehe davon aus, dass die Zahl von einer Million betroffenen Autos erreicht werde. Gabriel sagte den "Stuttgarter Nachrichten": "Wir setzen die Verordnung nicht in Kraft, solange wir keine klaren Zahlen haben. Und wir werden sie nicht in Kraft setzen, wenn die Zahl eine Million Fahrzeuge übersteigt."

Auch Vize-Regierungssprecher Thomas Steg betonte, wenn zu viele Autofahrer mit zusätzlichen Kosten belastet würden, "gehen wir davon aus, dass diese Verordnung nicht in Kraft treten kann". Agrarminister Horst Seehofer (CSU) würde einen Stopp begrüßen. "Wir können jetzt nicht die Autofahrer und die Automobilindustrie mit Zusatzlasten überziehen, nur damit die Einkommenslage der Bauern gestützt wird."

Der ADAC rechnet mit rund drei Millionen Fahrzeugen, die auf teureres Super plus ausweichen müssten. Der Autoclub fürchtet, dass Bioethanol Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff beschädigt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte bisher von 375 000 Fahrzeugen gesprochen. VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte in Ludwigsburg, die aktuelle Zahl werde "klar darunter" liegen. Ausschlaggebend sind aber die Angaben der Importeure. Das Umweltministerium hofft, dass beide Verbände ihre Zahlen an diesem Donnerstag vorlegen.

Ungeachtet dessen hält die Bundesregierung am Ziel eines höheren Biospritanteils fest. Die Verwendung von Biokraftstoffen sei richtig und diene dem Klimaschutz, sagte Steg. Offen ist, welche Folgen ein Scheitern des Zehn-Prozent-Anteils von Ethanol für die deutschen und europäischen Klimaschutzziele hätte. Dann stelle sich die Frage, wie die Biokraftstoffanteile zu erreichen seien, sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn fordert wie die Deutsche Umwelthilfe ein Tempolimit. Der Linke-Energiepolitiker Hans-Kurt Hill sprach sich für sparsamere Autos aus.

Unterdessen sprach sich die Umweltorganisation Greenpeace klar gegen eine höhere Biodiesel-Quote aus. Der Grund: Ein Fünftel des Biodiesels in jeder Tankfüllung werde aus Sojabohnen gewonnen, die vor allem in Südamerika angebaut würden. Für die neuen Plantagen würden zum Beispiel in Argentinien riesige Urwaldgebiete gerodet und der Klimawandel angeheizt, kritisierten die Umweltschützer am Mittwoch in Berlin.

Greenpeace stellte die Ergebnisse einer Analyse vor, für die bundesweit Dieselproben an Tankstellen der drei großen Mineralölkonzerne Shell, Esso und Aral genommen worden waren. Getestet wurde, aus welchen Pflanzen der gesetzliche "Biosprit"-Anteil besteht. Die Analysen belegten, dass der beigemischte Pflanzendiesel nicht nur aus heimischem Rapsöl, sondern zu fast 20 Prozent aus Sojaöl gewonnen wird.

Der Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting sagte: "Wer das Klima schützen will, muss die letzten Urwälder schützen." Er nannte die Beimischungsquote einen Irrtum. So hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass es 319 Jahre dauern würde, bis der Einsatz von Sojadiesel die Menge an Treibhausgasen eingespart habe, die durch eine Abholzung des Amazonas für die Sojaplantage zuvor freigesetzt worden sei.

Die Bundesregierung will eine Beimischung von bis zu zehn Prozent Bioethanol im Benzin ab 2009. Derzeit sind maximal fünf Prozent erlaubt. Die Änderung ist Teil der Strategie der Regierung, im Straßenverkehr immer mehr Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen. Dies soll zum Klimaschutz beitragen.

Weitere Informationen zum Thema Bio-Sprit und Verträglichkeit finden Sie hier beim ADAC .