Luftfahrt: französische Börsenaufsicht

Verdacht des Insiderhandels bei EADS

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Namen wurden noch nicht bekannt. Die Airbus-Mutter soll außerdem die Märkte vor den Verzögerungen beim Bau des A380 nicht regelkonform informiert haben.

Paris. Nach eineinhalbjährigen Ermittlungen hat die französische Börsenaufsicht AMF ihren Vorwurf des Insiderhandels beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS erhärtet. Ohne die Beteiligten namentlich zu nennen, erklärte die Behörde heute, ihr lägen Beweise vor, die sie unverzüglich an die Pariser Staatsanwaltschaft weiterleiten werde.

Mitte Juni hatten Airbus und EADS Lieferverzögerungen beim Riesen-Airbus A380 bekannt gegeben. Mehrere Top-Manager hatten in den Monaten zuvor große Aktienpakete verkauft. Auch die Großeigner DaimlerChrysler und Lagardère hatten im April große Anteilspakete abgestoßen. Die Aufsicht warf der Airbus-Mutter zudem vor, die Märkte vor Bekanntgabe der Verzögerungen beim Bau des Superjumbos A380 irregeleitet zu haben.

Die französische Zeitung "Le Figaro" hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres von "massiven Insiderdelikten" berichtet. Laut dem Blatt befände sich unter den Beschuldigten der AMF angeblich auch der heutige Airbus-Chef Thomas Enders.

Die EADS-Führung sowie die Großaktionäre Daimler und Lagardere wiesen die Angaben zurück. Als Airbus im Juni die Produktionsverzögerungen beim Flaggschiff A380 ankündigte, brachen die Aktien des Flugzeugkonzerns ein.

Konzernchef Louis Gallois verteidigte das EADS-Management gegen die Vorwürfe, räumte aber ein, dass die voraussichtlich langwierigen Ermittlungen "bedeutende Auswirkungen auf Image und Reputation des Unternehmens" haben könnten. Der Konzern erwarte keine finanziellen Konsequenzen, erklärte Gallois. EADS-Aktien gaben in Paris vorübergehend um ein Prozent nach, drehten in einem sehr freundlichen Marktumfeld aber wieder ins Plus und notierten am späten Vormittag mit einem Aufschlag von zwei Prozent bei 15,32 Euro.

Gallois kündigte an, die betroffenen Manager bei ihrer Verteidigung zu unterstützen. Das Unternehmen werde zudem nachweisen, "dass es höchste Maßstäbe an seine Finanzkommunikation angelegt und sich vollständig transparent verhalten hat". Die Börsenaufsicht reicht ihre Ergebnisse auch an eine interne Kommission weiter, die nach einer Anhörung der Beteiligten Bußgelder verhängen kann. EADS hatte zuvor bereits Medienberichte dementiert, wonach die AMF 17 von ursprünglich 21 Beschuldigten vor ihren Ausschuss zitieren will.

Die Großaktionäre Daimler und Lagardere wiesen eine Verwicklung zurück. "Wir sind fest davon überzeugt, weder zum Zeitpunkt der Vorstandsentscheidung noch bei Abschluss der Verträge über Insiderinformationen verfügt zu haben", sagte eine Daimler-Sprecherin. Auch Lagardere äußerte sich überzeugt, alle Fragen klären zu können. Das Unternehmen werde der AMF alle nötigen Informationen geben, sagte ein Sprecher.

( Reuters )