St. Pauli: Straßenfest gegen Vertreibung

Veranstalter wollen autonome Freiräume bewahren

Unter dem Motto „Es regnet Kaviar“ protestieren an diesem Sonnabend verschiedene Initiativen gegen die „Vertreibungspolitik“ in dem Stadtteil.

Hamburg. Im Rahmen eines europaweiten Aktionstages für autonome Freiräume und lebenswertes Wohnen soll bei dem Straßenfest über die soziale Umstrukturierung in dem einst ärmsten Stadtteil Hamburgs informiert werden, sagten Sprecher des "Aktions-Netzwerks gegen Gentrification" am Dienstag. Man wolle die Entwicklungen nicht tatenlos hinnehmen. Der erfolgreiche Häuserkampf in der berühmt-berüchtigten Hafenstraße habe gezeigt, dass Stadtteil-Bewohner in die Stadtentwicklung eingreifen könnten.

Kupferne "Investorenarchitektur" wie das neue Riverside-Hotel sei Symbol für das neue St. Pauli. Zugleich zielten radikal erweiterte Waffenverbote und Videoüberwachung auf die Kriminalisierung Jugendlicher. Der Ruf nach Ordnung und eine neue "Mainstreamkultur" seien im Interesse von Immobilienbesitzern und neuen Mittelschichten. "Wir setzen auf Selbstbestimmung und Widerstand gegen Vertreibung", sagten Aktive aus den einst besetzten Häusern der Hafenstraße.

Mit einer Auftaktveranstaltung am Freitagabend in der Ganztagsschule Friedrichstraße wollen die St. Paulianer "Aufwertung, Eventisierung und Überwachung" thematisieren. Dabei geht es nach den Worten des Künstlers Christoph Schäfer vom Projekt "Park Fiction" auch um steigende Mieten, Kriminalisierung von Armut und die videoüberwachte "Sonderrechtszone" St. Pauli. Ziele seien die Rückeroberung von Wohn- und Lebensraum und die Bereitstellung leerstehender Flächen für kulturelle Projekte, wie Schäfer betonte. Im Rahmen des Straßenfestes gibt es auch eine lange Tafel vom Pinnasberg bis weit in die Bernhard-Nocht-Straße und ein Punk-Rave-Zug von der Sternschanze bis zur Hafenstraße.

( dpa )