Bahn mit Gewinnplus:

Mehdorn will Preise vorerst nicht erhöhen

Die Deutsche Bahn sieht sich nach einem Gewinnplus 2007 auf Kurs für einen baldigen Börsengang und gibt ihren Fahrgästen eine Preisgarantie für dieses Jahr. Denkbar wäre aber eine Anhebung zum Fahrplanwechsel im Dezember, so der Bahnchef.

Trotz massiver Belastungen aus hohen Tarifabschlüssen werde der bundeseigene Konzern "unterjährig keine Preise erhöhen", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Montag in Berlin. Die mehrfachen Streiks der Lokführergewerkschaft GDL sorgten für Einbußen bei Umsatz und Ergebnis in Millionenhöhe. Dennoch stieg der Gewinn laut Bilanz unter dem Strich auf 1,72 Milliarden Euro nach 1,68 Milliarden Euro im Vorjahr. Mehdorn warb erneut für eine baldige Entscheidung der Politik zur Teilprivatisierung der Bahn.

Als Termin für einen Börsengang sei dieser Herbst nach wie vor zu schaffen, sagte Mehdorn. Frisches Kapital sei angesichts der Öffnung der europäischen Verkehrsmärkte dringend erforderlich, um im Ringen mit bereits börsennotierten Konkurrenten bestehen zu können. Mehdorn äußerte sich zuversichtlich, dass die Politik nach langer Diskussion um eine Teilprivatisierung in den nächsten Wochen die Weichen dafür stellen werde. Die schwarz-rote Koalition strebt bis 28. April eine Entscheidung über die Zukunft des letzten großen Staatsunternehmens an. Geprüft wird dafür derzeit ein Modell, wonach Investoren nicht vom Gesamtkonzern, sondern von einer Zwischenholding für den Güter- und Personenverkehr Minderheitsanteile kaufen können.

Trotz Belastungen aus dem monatelangen Arbeitskampf mit der Lokführergewerkschaft GDL verbesserten sich wichtige Kennziffern. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg auf 2,9 Milliarden Euro nach 2,5 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Zu Buche schlugen dabei auch Sondereffekte aus Anteilsverkäufen, unter anderem an der Reederei Scandlines. Ohne Sondereffekte betrug das EBIT im vergangenen Jahr 2,37 Milliarden Euro und lag damit den Angaben zufolge über dem vergleichbaren Wert von 2006 in Höhe von 2,14 Milliarden Euro. Die Streiks hätten sich mit 160 Millionen Euro negativ auf das Ergebnis ausgewirkt, auf den Umsatz mit 170 Millionen. Insgesamt stiegen die Erlöse auf 31,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 30,1 Mrd Euro).

Wie Finanzvorstand Diethelm Sack erläuterte, wird für dieses Jahr eine Umsatzsteigerung von rund fünf Prozent angestrebt. Dabei seien Effekte aus mehreren 2007 hinzugekauften Töchter nicht enthalten. Beim EBIT sei der Wert des vergangenen Jahres, der von Sondererträgen geprägt war, voraussichtlich nicht wieder zu erreichen.

Im vergangenen Jahr verbuchten laut Bilanz alle Geschäftsfelder Gewinn. Dabei legte die Fernverkehrssparte beim EBIT um 15 Millionen auf 139 Millionen Euro zu, obwohl Belastungen von 72 Millionen Euro aus dem Tarifstreit zu Buche schlugen. Der Nahverkehr verzeichnete einen Gewinnrückgang auf 451 Millionen Euro (Vorjahr: 690 Mio. Euro). In der Sparte wurden den Angaben zufolge die Verkehrsverträge mit den Ländern wegen steigender Energie- und Personalkosten neu bewertet.