Chaos in Heathrow

Erneut Flüge am neuen Terminal gestrichen

Das seit Tagen anhaltende Chaos am neuen Terminal der British Airways in London Heathrow verärgert immer mehr Reisende und wird für die größte Airline des Königreichs zu einem schweren Imageproblem.

London. Trotz wiederholter Versprechen, die Probleme mit der anfangs als hocheffektiv gepriesenen Gepäckabfertigung des mehr als fünf Milliarden Euro teuren Terminals 5 ("T5") zu lösen, musste Britisch Airways (BA) am Sonnabend weitere 66 Flüge streichen. Zudem gab es erhebliche Verspätungen, und unzähligen Passagieren wurde zugemutet, entweder auf die Mitnahme ihrer Koffer oder gänzlich auf die Flugreise zu verzichten.

Londoner Medien sprachen von einem PR-Fiasko, nachdem das Luftfahrtunternehmen seit Inbetriebnahme des Terminals, den es als einzige Gesellschaft nutzt, am Donnerstag insgesamt mehr als 180 Flüge abgesagt hatte. Für diesen Sonntag werden weitere Störungen erwartet. Vorsorglich strich BA bereits 37 Flüge, wobei niemand garantieren wollte, dass es bei dieser Zahl bleiben wird. Eine über den Sender BBC angekündigte gemeinsame Erklärung von British Airways und dem Flughafenbetreiber BAA blieb zunächst aus.

Zu den betroffenen Reisenden gehörte eine englische Schulklasse, die im Rahmen eines Schüleraustausches nach Stuttgart fliegen wollte. "Statt uns vorher zu warnen, haben wir erst am Terminal erfahren, dass wir nun wohl erst am Dienstag nach Deutschland fliegen können", sagte eine Betreuerin. "Alle hatten sich gefreut, und nun fällt das Ganze vielleicht ins Wasser, denn wir sollten nur eine Woche in Stuttgart bleiben."

Ein britischer Reisender berichtete am Mobiltelefon, dass seine Maschine, die nach Larnaka auf Zypern starten sollte, auch nach Stunden immer noch am Rollfeld stand: "Der Kapitän scheint selbst wenig zu wissen, er vertröstet uns alle 25 Minuten." Um überhaupt mitfliegen zu können, habe seine Frau auf die Mitnahme ihres Koffers verzichten müssen. "Ich selbst habe nur Handgepäck, aber ein Trost ist das nicht."

Derweil erhoben Gewerkschaften Vorwürfe gegen das Management von British Airways, das Hinweise auf eine nur mangelhafte Ausbildung des Personals der neuen Gepäckabfertigung ignoriert habe. Nach Angaben der "Times" hatten die Gewerkschaften Unite und GMB vor zwei Wochen erklärt, die 2000 Gepäckarbeiter seien nicht ausreichend geschult. Die Verlagerung der BA-Flüge von den anderen alten Start- und Landehallen in Heathrow zum neuen Superterminal könne daher nicht über Nacht, sondern nur schrittweise erfolgen.

Anders als "T5" meldeten die London-Airports Stansted, Luton und Gatwick sowie die vier alten Terminals in Heathrow normalen Flugbetrieb. Zur Verärgerung von Kunden der British Airways trug nach Angaben Londoner Zeitungen auch bei, dass tausende Koffer, die wegen Pannen bei der Gepäckabfertigung nicht verladen worden waren, nicht oder nur mit großer Verspätung ausgeliefert wurden. Obendrein kämen auf die Airline wegen mangelhafter Informationen über ausgefallene Flüge sowie über Kompensationen und Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels Schadenersatzforderungen zu, hieß es in Medienberichten.