Sterbehilfe: Ihr Antrag wurde abgelehnt

Französin mit unheilbarem Krebsgeschwür tot

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Wenige Tage nach ihrem gescheiterten Antrag auf Sterbehilfe ist Chantal Sébires tot. Die Leiche der Französin, die an einem entstellenden und unheilbaren Krebsgeschwür erkrankt war, wurde am Mittwoch in ihrer Wohnung im burgundischen Plombières-les-Dijon gefunden. Die Todesursache war zunächst unklar.

Gegen 19.30 Uhr sei der Tod der 52-Jährigen festgestellt worden, sagte der Staatsanwalt von Dijon, Jean-Pierre Allachi. Am Montag war ein Antrag der früheren Lehrerin auf aktive Sterbehilfe von einem Gericht in Dijon abgelehnt worden. Noch am Mittwochnachmittag hatte Premierminister François Fillon eine Überprüfung des Verbots der aktiven Sterbehilfe in Auftrag gegeben.

Der Leidensweg der Mutter dreier Kinder hatte bereits in den vergangenen Wochen die französische Öffentlichkeit schwer erschüttert und die Regierung gespalten. Acht Jahre lang kämpfte Sebire gegen den äußerst schmerzhaften Tumor. Keine Chemotherapie konnte die bösartige Wucherung stoppen, die ihr Gesicht fast völlig entstellt hatte. Das seltene Esthesioneuroblastom in der Rinne der Geruchsnerven zerstörte ihr den Geschmacks- und Geruchssinn und führte schließlich zu ihrer Erblindung. Fernsehbilder zeigten die Krebspatientin zuletzt abgemagert, aber mutig und gefasst.

Sebires Tod löste in Frankreich Bestürzung aus. "Das ist eine extrem schmerzhafte Situation", sagte Staatsanwalt Allachi. Der Präsident der "Assoziation für das Recht auf würdiges Sterben", Jean- Luc Romero, sagte, der Tod sei für Sebire "eine Erleichterung". Ihre Schmerzen seien "unerträglich" gewesen. Es sei "dramatisch", dass erst Fälle wie dieser die Politiker zum Handeln brächten.

Sebire hatte beantragt, "in Würde sterben" zu dürfen und vom Gericht eine Genehmigung für ihren Arzt gefordert, ihr eine tödliche Medikamenten-Dosis zu verabreichen. Eine Flucht nach Belgien, in die Schweiz oder die Niederlande, wo aktive Sterbehilfe nicht bestraft wird, lehnte sie ab. "Ich will in meinem eigenen Bett sterben", sagte sie. Frankreichs Justiz urteilte am Montag, Ärzte seien verpflichtet, Leben zu retten. Das Recht stelle Sterbehilfe unter Strafe.

In der französischen Regierung stieß der Fall auf ein geteiltes Echo. Noch am Mittwochvormittag sprach sich Außenminister und Ärzte- ohne-Grenzen-Mitbegründer Bernard Kouchner für eine gesetzliche Ausnahmeregelung aus. Sebire ihren Wunsch zu ermöglichen, wäre "menschlich und notwendig", sagte der Mediziner. Justizministerin Rachida Dati stellte sich hinter das Urteil. Fillon sprach von einem Fall, der "an die Grenze dessen" gehe, "was eine Gesellschaft sagen kann und was das Gesetz tun kann". Der konservative Präsident Nicolas Sarkozy, der noch am Mittwochnachmittag den Arzt von Sebire im Élysee-Palast empfangen hatte, lehnt bislang jede Rechtsreform für aktive Sterbehilfe ab.