Munitionswerk

Tote bei Explosionsreihe

Lesedauer: 2 Minuten

Mehrere Explosionen ereigneten sich in einer albanischen Munitionsfabrik. Dabei wurden wenigstens 170 Menschen verletzt. Es gibt mindestens sechs Tote, die Ursache der Katastrophe ist noch unklar.

Tirana. Bei einer schweren Explosionsserie in einem Waffenlager der albanischen Armee sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Viele weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Regierungschef Sali Berisha sprach am Sonnabend von einer "beträchtlichen" Zahl an Toten. Mindestens 63 Tote könnte es in der zerstörten Anlage geben, sagte eine Regierungssprecherin. Diese Zahl könnte auch weit höher sein, befürchteten die Behörden. Mindestens 170 Menschen seien laut Regierungsangaben verletzt worden.

Über eine Stunde lang wurde das Waffendepot immer wieder von Detonationen erschüttert, die bis ins Nachbarland Mazedonien zu hören waren und am nahen Flughafen von Tirana sämtliche Fensterscheiben bersten ließen. Bei den Opfern handelte es sich überwiegend um Zivilisten.

Die genaue Unglücksursache war zunächst unklar. Berisha sagte nach einem Besuch im Militärkrankenhaus von Tirana, Spezialeinheiten in gepanzerten Fahrzeugen versuchten, an den Explosionsort zu gelangen. Sie wollten dort weiteren Opfern zu Hilfe kommen. Die Lage sei "sehr ernst und sehr alarmierend". Armeehubschrauber seien im Einsatz, Nachbarortschaften würden evakuiert.

Viele Frauen und Kinder seien blutüberströmt in das Militärkrankenhaus von Tirana eingeliefert worden, berichtete ein AFP-Korrespondent. Viele Menschen in umliegenden Häusern seien verletzt worden, Panik sei ausgebrochen. Krankenwagen brachten im Minutentakt Verletzte in drei Hospitäler, andere wurden in Privatautos gebracht. Medienberichten zufolge erlitten die meisten Betroffenen Verbrennungen, Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche oder Verletzungen durch Glassplitter.

Ein Arzt sprach von "Opferzahlen wie im Krieg". Laut Augenzeugen ereignete sich die erste Explosion, als Soldaten Munition lagerten, danach folgten immer neue Explosionen. Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt Tirana zu spüren.

Das Waffenlager befindet sich in der Nähe des Dorfes Gerdec, etwa zwölf Kilometer nördlich der albanischen Hauptstadt. Der Hauptstadt-Flughafen ist etwa einen Kilometer entfernt. Er wurde sofort bis auf weiteres geschlossen. In Mazedonien alarmierten aufgeschreckte Menschen die Polizei, wie die Behörden mitteilten. Im Westen des Nachbarlandes seien in vielen Häusern die Fenster geborsten, sagte ein Polizeisprecher.

Regierungschef Berisha sagte, das Problem mit der vom früheren kommunistischen Regime seit 1945 in Albanien gehorteten Munition sei eine fortwährende Bedrohung und Gefahr. "Es gibt eine kolossale, verrückte Menge von Munition", sagte er. "Ich schließe menschliches Versagen nicht aus." In dem Depot wurde überzählige Munition zerstört.