Lufthansa machte sich rar

Kritik an der Lufthansa

Nach der spektakulären Sturmlandung einer Lufthansa-Maschine auf dem Hamburger Flughafen haben Passagiere die Fluggesellschaft massiv kritisiert.

Hamburg/Frankfurt. "Wir haben von der Lufthansa bis zum heutigen Tage nichts gehört. Von Betreuung keine Spur", zitiert das "Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung" den Passagier Tom Maresch und verweist auf ein Schreiben mehrerer Fluggäste an die Lufthansa. Darin hatten sie um eine Stellungnahme gebeten und unter anderem die Frage gestellt, warum trotz des schweren Sturms Hamburg überhaupt angeflogen worden war.

Während des Orkans "Emma" war die Lufthansa-Maschine aus München vergangenen Sonnabend kurz vor dem Aufsetzen in Hamburg von einer starken Windböe erfasst worden und hatte mit einer Tragfläche den Boden berührt. Daraufhin hatte die Besatzung die Maschine durchgestartet und war in einem zweiten Versuch auf einer anderen Piste sicher gelandet.

"Ich glaube, dass ich nicht übertreibe, wenn ich davon ausgehe, dass wir nur knapp einer Katastrophe entgangen sind", schreibt Hein Bölling, der den Brief unterzeichnet hat und in dem Zeitungsbericht als Sprecher der Passagiere genannt wird. Dabei hätten sich die Passagiere während und nach den zwei Landemanövern von der Besatzung und der Fluggesellschaft völlig alleingelassen gefühlt. Statt des Bordpersonals hätten sich Passagiere gegenseitig Mut zugesprochen.

"Ich habe versucht, die beiden Damen auf den Plätzen neben mir zu beruhigen", berichtete Maresch der Zeitung. "Wenn die mitgekriegt hätten, dass das Flugzeug mit den Tragflächen den Boden berührt hat, dann wären die total ausgeflippt." Nur weil ein Passagier, der täglich fliege, an Bord der Maschine auf die Leute eingeredet habe, sei keine Panik ausgebrochen.

Selbst nach der letztendlich glimpflich verlaufenen Landung im zweiten Anlauf habe sich die Lufthansa rar gemacht. "Von psychologischer Betreuung der Fluggäste, wie es die Lufthansa sagt, habe ich nichts mitbekommen. Wir haben ganz normal unser Gepäck abgeholt", berichtete Maresch weiter.

Eine Lufthansa-Sprecherin wies die Vorwürfe am Sonnabend zurück. "Den Passagieren wurde psychologische Unterstützung gleich nach der Landung angeboten. Dieses Angebot wurde aber nur von wenigen Passagieren in Anspruch genommen", sagte sie auf Anfrage. Wie viele der Fluggäste das waren, sei ihr nicht bekannt. Auch ob das Schreiben der Passagiere tatsächlich bei der Lufthansa eingegangen sei, konnte die Sprecherin nicht sagen.