Machtkampf in der Automobilbranche

Porsche will seine Macht ausbauen

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will seine Macht bei VW weiter ausbauen. Der Sportwagenbauer plant eine Erhöhung seiner Anteile an dem Wolfsburger Autokonzern auf 75 Prozent.

Stuttgart. Wiedeking könnte dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Volkswagen durchsetzen und hätte somit auch operativen Zugriff auf die Geschäfte von VW. Porsche wollte sich konkret nicht zu dem Bericht äußern. Allerdings kündigte der Sportwagenbauer erst vor wenigen Tagen an, dass Porsche seinen VW-Anteil von aktuell knapp 31 auf über 50 Prozent ausbauen werde. "Mehr haben wir dazu derzeit nicht zu sagen", so ein Konzern-Sprecher.

Sollte es zu dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag kommen, würden die wichtigsten Entscheidungen nicht wie bisher im VW-Aufsichtsrat, sondern in der europäischen Porsche-Holding gefällt. Die Stuttgarter könnten dann über Vorstandsposten, neue Fahrzeugmodelle oder Standorte bestimmen. Zudem würden sämtliche Gewinne auf ihr Konto fließen. Den übrigen Aktionären, vor allem dem Land Niedersachsen, stünden nur jährliche Ausgleichszahlungen zu.

Auch personell will Porsche seinen Einfluss bei VW noch stärker zur Geltung bringen. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche soll nach gleichlautenden Informationen von "Focus" und der "Wirtschaftswoche" auf der VW-Hauptversammlung Ende April Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer ersetzen. Darauf hätte sich bereits die Kapitalseite im VW-Aufsichtsrat verständigt. Daneben wollen die Stuttgarter auch Hans Michel Piëch, den Bruder von Ferdinand Piëch, ins VW-Kontrollgremium entsenden. "An Personalspekulationen beteiligen wir uns nicht", kommentierte der Porsche-Sprecher die Ankündigung.

Ferdinand Piëch ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" derweil nicht nur aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Porsche Holding, sondern auch aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Sportwagenfirma Porsche ausgetreten. Dieser Schritt soll demnach mit den geänderten Beteiligungsverhältnissen zu haben und nicht als Rückzug zu bewerten sein. Piëch werde stattdessen in den Aufsichtsrat bei Audi einziehen.

Die Machtverhältnisse zwischen den Familien Porsche und Piëch haben sich nach Informationen des "Spiegel" derweil deutlich zugunsten des Porsche-Zweigs verschoben. Die Familie Porsche verfüge insgesamt über 61,8 Prozent der Stammaktien an der Porsche Automobil Holding, die Familie Piëch nur über 38,1 Prozent. Die Porsche Automobil Holding wiederum hält knapp 31 Prozent am VW-Konzern und alle Stammaktien an der Sportwagenfirma Porsche. Bislang hieß es, der Porsche-Zweig verfüge über 53,7 und die Familie Piëch über 46,3 Prozent an der Porsche Holding. Der Sprecher des Sportwagenbauers wollte die Verschiebung der Anteile nicht kommentieren.

VW bleibt hart

Im erbitterten Streit um die Mitbestimmung in der geplanten Porsche-Holding hat der VW-Betriebsrat weiter harten Widerstand gegen den Sportwagenhersteller angekündigt. "Wir machen weiter", sagte der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt" am Sonnabend. "Was soll ich denn meinen Kollegen sagen? War alles Quatsch?" Die Stimmung sei inzwischen spürbar erhitzt. Nach Informationen der Branchenzeitung "Automobilwoche" bereitet die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat weitere juristische Schritte gegen die Aufstockung des Porsche-Anteils vor. "Wenn Porsche die 50 Prozent-Schwelle bei der VW-Beteiligung überschreitet, klagen wir erneut", zitiert die Zeitung ein Aufsichtsratsmitglied.

VW-Vorstandchef Martin Winterkorn befürchtet, dass Europas größter Automobilbauer durch den Dauerstreit Schaden nehmen kann. "Ich bin sicher, die Beteiligten werden sich arrangieren. Die wissen dass sie VW nicht beschädigen sollten und ihren Streit beenden müssen", sagte er. Osterloh kündigte indes im "Handelsblatt" an: "Wir werden das aber rechtlich voll durchziehen, durch alle Instanzen. Das kann dann allerdings ein paar Jahre dauern."