Jahresbericht des Wehrbeauftragten

Robbe beklagt mangelnde Fitness der Soldaten

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, hat die mangelnde Fitness der Soldaten beklagt und mehr Sport im Dienst gefordert.

In seinem am Dienstag in Berlin vorgestellten Jahresbericht verwies Robbe auf eine Studie, die eine Tendenz der Soldaten zu Übergewicht und Unsportlichkeit aufzeigt. Die Kampffähigkeit der Truppe leide darunter allerdings nicht, betonte er. Der SPD-Politiker kritisierte auch die "anhaltende Unterfinanzierung und überbordende Bürokratie" in der Bundeswehr.

Über 40 Prozent der Soldaten und damit fünf Prozentpunkte mehr als in der zivilen Vergleichsgruppe seien übergewichtig, stellte Robbe unter Berufung auf eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln und des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Koblenz fest. Der Anteil der stark übergewichtigen Soldaten liege bei 8,5 Prozent. Mehr als ein Fünftel der Soldaten stufte sich als Nichtsportler ein. Nach der wöchentlichen Sporthäufigkeit befragt, gaben 27 Prozent an, nie oder nur selten Sport zu betreiben.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte als Reaktion auf die Studie: "Die Bundeswehr ist ein Gegenbild unserer Gesellschaft. Wir leisten unseren Beitrag, damit unsere Soldatinnen und Soldaten, wenn sie im Einsatz sind, wieder fit sind."

Robbe zeigte sich beunruhigt über die Ergebnisse des Forschungsprojekts. Er wollte jedoch nicht so weit gehen zu sagen, die Kampffähigkeit der Truppe sei dadurch beeinträchtigt. "Jeder sportliche Soldat, der schnell reagieren kann, hat aber einen Vorteil im Einsatz".

Im Hinblick auf die mangelnde Fitness dürfe man nicht den Zeigefinger auf die Soldaten richten, sagte der SPD-Politiker. Vielmehr verlangte er: "Der Dienstsport darf nicht ständig anderen Dingen zum Opfer fallen." Von der Bundeswehr geförderte Spitzensportler müssten eine Vorbildfunktion einnehmen.

Als belastend für die Soldaten bezeichnete Robbe die Regelungswut in der Bundeswehr. Meldezwang für Nichtigkeiten, Abgasuntersuchungen, Mülltrennung oder Betriebsgenehmigungen für relativ einfache Veränderungen an Fahrzeugen beispielsweise passten nicht zum heutigen Einsatzalltag. Die Truppe brauche stattdessen pragmatische Vorgaben mit einem Minimum an Bürokratie.

Sofortprogramm zur Sanierung von Kasernen

Robbe verwies auch auf Fortschritte. Nachdem er im vergangenen Jahr die teils katastrophalen Verhältnisse in den Kasernen angeprangert hatte, sei ein Sofortprogramm zur Sanierung aufgelegt worden. Auch wenn damit erst die Hälfte des Sanierungsbedarfs abgedeckt sei, werde das Programm spürbare Verbesserungen mit sich bringen.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Elke Hoff zeigte sich überrascht, dass Robbe den Schwerpunkt seines diesjährigen Berichts auf die mangelnde körperlichen Fitness der Soldaten gelegt hat. Von größerer Bedeutung seien die "eklatanten Ausbildungs- und Ausrüstungsdefizite der Bundeswehr, die finanzielle Ausstattung und der Aufbau moderner Unterkünfte", erklärte sie.

Die Unionspolitiker Bernd Siebert und Anita Schäfer wiesen darauf hin, dass es sich bei dem Jahresbericht um eine Mängelliste handelt. Es dürfe nicht der falsche Eindruck entstehen, dass das Bild auf die Lage der Bundeswehr als Ganzes zu übertragen wäre.

Robbe selbst bezeichnete die Stimmung in der Truppe als ambivalent. Von den Soldaten erhielt er 2007 rund 5.300 Beschwerden und damit rund 600 weniger als im Jahr zuvor.