Öffentlicher Dienst: Bundesweite Warnstreiks

Tausende demonstrieren für mehr Lohn

Etwa 3000 Menschen versammelten sich auf dem Gänsemarkt. Verdi-Bundeschef Frank Bsirske: "Wenn es kein vernünftiges Ergebnis gibt in den Verhandlungen, dann wird gestreikt".

Hamburg. Mehrere tausend Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes haben heute Morgen in der Hamburger Innenstadt mit massiven Streikdrohungen ihrer Forderung nach einer besseren Bezahlung Nachdruck verliehen. "Wenn es kein vernünftiges Ergebnis gibt in den Verhandlungen, dann wird gestreikt", sagte der aus Berlin angereiste Verdi-Bundeschef Frank Bsirske vor nach Gewerkschaftsangaben etwa 3000 Menschen auf dem Hamburger Gänsemarkt. Mit Blick auf die fünfte Verhandlungsrunde diese Woche in Potsdam warf Bsirske den Arbeitgebern vor, diese aussitzen zu wollen, um sich in die Schlichtung zu flüchten. Der Gewerkschaftsboss betonte: "Wenn die uns so kommen, dann kommen wir ihnen anders."

Ver.di fordert für die etwa 1,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen acht Prozent höhere Gehälter, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber bieten - verteilt auf zwei Jahre - fünf Prozent bei einer gleichzeitigen Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Am Dienstagmorgen hatten nach Gewerkschaftsangaben in Hamburg tausende Beschäftigte aus Krankenhäusern, Kindertagesstätten, von der Stadtreinigung und zahlreichen anderen Einrichtungen vorübergehend die Arbeit niedergelegt.

"Warnstreiks sind ein Signal für die Streikbereitschaft. Und dieses Signal geben Hunderttausende in diesen Tagen zu Recht", sagte Bsirske mit Blick auf die Warnstreiks in mehreren Bundesländern. Hamburgs Verdi-Chef Wolfgang Rose betonte: "Wer nicht hören will, muss fühlen. Wenn jetzt kein ordentliches Angebot auf den Tisch kommt, dann müssen sie beim nächsten Mal damit rechnen, dass nicht mehr gewarnt wird, sondern dass dann auch gestreikt wird."

Indessen haben in den meisten Bundesländern am Dienstagmorgen die Warnstreiks begonnen. Den Anfang machten am ersten Besuchertag der Computermesse CeBIT die Bus- und Bahnfahrer in Hannover. Von 3 Uhr bis 7 Uhr blieben Busse und Stadtbahnen in den Depots. In Baden-Württemberg legten Beschäftigte im Ulmer Nahverkehr unangekündigt um 4 Uhr die Arbeit nieder. In Göttingen und Braunschweig sind ganztägige Warnstreiks im Nahverkehr geplant.

In Schleswig-Holstein machten die Busfahrer in Kiel den Anfang. In 35 Krankenhäusern in Niedersachsen und Bremen begann der Warnstreik mit Beginn der Frühschicht. In Thüringen legten nach Verdi-Angaben rund 1200 Beschäftigte in Erfurt, Gotha und Jena kurzzeitig die Arbeit nieder. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt begannen Warnstreiks. In Mecklenburg-Vorpommern waren laut Verdi zunächst die Stadtverwaltungen in Rostock und Stralsund betroffen. In Berlin starteten Mitarbeiter der Stadtreinigung und der Wasserbetriebe ganztägige Warnstreiks.

In den Tarifverhandlungen für die bundesweit 1,3 Millionen Angestellten des öffentlichen Dienstes beginnt am Donnerstag in Potsdam die vorläufig letzte Gesprächsrunde. Ver.di fordert acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Die Arbeitgeber bieten bislang fünf Prozent - verteilt auf zwei Jahre - bei gleichzeitiger Verlängerung der Wochenarbeitszeit.