Kartellamt: Wegen Gefahr der Wettbewerbsverzerrung

Aus für Kovats bei Norddeutscher Affinerie

Aufatmen bei Europas größter Kupferhütte: Der wegen seiner undurchsichtigen Absichten gefürchtete Großaktionär Mirko Kovats muss sämtliche Anteile an dem Hamburger Unternehmen abstoßen. Kovats Holding A-Tech kündigte rechtliche Schritte gegen die Entscheidung an.

Hamburg. Mirko Kovats Versuch, die Konsolidierung der europäischen Kupferindustrie maßgeblich zu gestalten ist gescheitert: Das Bundeskartellamt entschied am Donnerstag, der österreichische Industrielle muss sich vollständig aus der Norddeutschen Affinerie (NA) zurückziehen. Zur Begründung hieß es, die gegenwärtige Beteiligung der Kovats-Holding A-Tec von 13,75 Prozent an der NA führe zu einer beherrschenden Stellung der beiden Unternehmen auf dem Markt für sauerstofffreie Stranggussformate und sei kartellrechtlich nicht zulässig.

Einen Tag vor der morgigen Hauptversammlung der NA in Hamburg untersagte die Behörde der A-Tec außerdem die Ausübung von fünf Prozent ihrer Stimmrechte. A-Tec kündigte gegen den Beschluss des Kartellamtes rechtliche Schritte an und erhob gegen die Behörde schwere Vorwürfe. In einer Pressemitteilung erklärte die Holding: "Der zeitliche Zusammenhang der Untersagung mit der ordentlichen Hauptversammlung der Norddeutschen Affinerie AG hat den Anschein, dass die Entscheidung des Kartellamtes dem Interesse der Führung der NA dient, A-Tec Industries an der Ausübung ihrer Stimm- und Dividendenrechte auf der Hauptversammlung zu hindern". Der Beschluss führe nicht zum Erhalt des Wettbewerbs in der Europäischen Union.

Für die morgige Hauptversammlung bedeutet die Verfügung: Kovats hat keine Stimmrechte und kann keinen Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats nehmen. Dabei werden dem Versuch des früheren Vorstandsvorsitzenden Werner Marnette, gegen die Vorschläge der Verwaltung einen Sitz im Aufsichtsrat zu erringen, von den meisten Kennern der Verhältnisse nur geringe Chancen eingeräumt. Es sei Marnette nicht gelungen, im Vorfeld ausreichend Unterstützung bei institutionellen Investoren zu gewinnen.

Sollte A-Tecs Einspruch gegen die Entscheidung des Kartellamts erfolglos bleiben, könnte für die Affinerie eine Phase der Unsicherheit zu Ende gehen, die sogar die Stadt Hamburg zu einem Einstieg bei dem Unternehmen veranlasst hatte. Kovats bleibt allerdings die Möglichkeit, eine indirekte Einflussnahme auf die Geschicke des Unternehmens anzustreben. Schließlich kann sich der größte Einzelaktionär der NA den Käufer seiner Anteile selbst aussuchen und diesen anschließend beraten.

Kovats, der eine Kupferproduktion im österreichischen Brixlegg besitzt, hatte sich nicht nur bei der NA engagiert. Er hielt auch Anteile an dem belgischen Kupferhersteller Cumerio. Mittlerweile hat Kovats seine Cumerio-Anteile an die NA verkauft, die das belgische Unternehmen vollständig übernehmen und damit zum führenden europäischen Kupferunternehmen aufsteigen will.

Das ist kartellrechtlich unbedenklich, weil Cumerio keine sauerstofffreien Stranggussformate herstellt, sondern andere Kupferprodukte. Auf diesem speziellen Markt mit einem Volumen von 60 bis 80 Millionen Euro seien A-Tec und die Affinerie die wichtigsten Wettbewerber mit einem gemeinsamen Marktanteil von weit über 85 Prozent, heißt es in der Mitteilung des Bundeskartellamtes. Für die Abnehmer gebe es nach einem Zusammenschluss keine ernsthaften Ausweichmöglichkeiten mehr. Wegen der besonderen Anforderungen an die Herstellung dieses Spezialproduktes sei auch nicht zu erwarten, dass andere Kupferhersteller in diesen Markt eintreten.

© Hamburger Abendblatt 2019 – Alle Rechte vorbehalten.