Serbien-Reisen

Bundesregierung mahnt zu Vorsicht

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Belgrad hat die Bundesregierung bei Reisen nach Serbien zu Vorsicht gemahnt. In Deutschland gab es mehrere Demos gegen die Unabhängigkeit des Kosovo.

Das Auswärtige Amt verwies nach der Unabhängigkeits-Erklärung des Kosovos vor einer Woche auf die angespannte Lage. Da mit weiteren Demonstrationen gerechnet werden müsse und sich die Sicherheitslage rasch ändern könne, werde Bundesbürgern "empfohlen, ihr Verhalten darauf einzustellen und Menschenansammlungen nach Möglichkeit zu meiden". Zugleich heißt es in den Reise-Hinweisen: "Unter Umständen kann es geboten sein, sich nicht als Ausländer zu erkennen zu geben."

In Teilen Südserbiens sei von einer latent gespannten Sicherheitslage auszugehen, schreibt das Außenministerium in den seit Freitag geltenden Empfehlungen. Auswirkungen auf die albanisch besiedelten Regionen Südserbiens seien nicht auszuschließen. In Belgrad waren am Donnerstagabend nach einer Großdemonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovos mehrere Botschaften angegriffen worden. Ein Mensch kam ums Leben, 130 Menschen wurden verletzt.

Nach den gewaltsamen Angriffen auf die Botschaften der USA, Deutschlands und anderer Staaten in Belgrad hat die serbische Polizei inzwischen fast 200 Verdächtige festgenommen. "Wir sammeln die Beweise und identifizieren die Schuldigen", sagte der oberste serbische Staatsanwalt, Slobodan Radovanovic. Die Ausschreitungen am Donnerstagabend im Zusammenhang mit Protesten gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos waren die schlimmsten in Belgrad seit der Vertreibung des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor acht Jahren.

Die USA haben unterdessen den größten Teil ihrer Diplomaten aus Serbien zurückberufen. Der Botschafter bleibt jedoch zusammen mit einigen anderen hochrangigen Diplomaten weiter in Belgrad. Außenministerin Condoleezza Rice bekräftigte die Kritik am Verhalten der serbischen Behörden. "Sie hatten die Verpflichtung, die diplomatischen Missionen zu schützen", sagte Rice. "Nach unseren Erkenntnissen war die Polizeipräsenz entweder unzureichend oder nicht entschlossen genug."

Demonstration auch in Deutschland

In Düsseldorf und Stuttgart gingen am Sonnabend jeweils rund 1000 Serben, in Frankfurt am Main etwa 500 auf die Straße, um die gegen die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Dazu aufgerufen hatte unter anderem der Zentralrat der Serben. Die Aktionen verliefen nach Polizeiangaben friedlich und ohne Zwischenfälle.

Schlüsselposition Deutschlands

EU-Chefdiplomat Javier Solana sieht Deutschland in einer Schlüsselposition bei der Stabilisierung der Lage auf dem Balkan. "Deutschland spielt eine Schlüsselrolle in der Gestaltung der Maßnahmen der EU für die Region", sagte Solana der "Bild am Sonntag". Deutschlands Beitrag zur Kosovo-Stabilisierung sei sehr wichtig, solange das Kosovo noch nicht alleine für seine Sicherheit sorgen könne. Darüber hinaus leiste Deutschland aber auch einen unverzichtbaren Beitrag zum zivilen Aufbau. "Auch hier zählen wir auf die fortgesetzte Hilfe deutscher Polizisten und Juristen."

Ebenso wichtig sei das starke Engagement deutscher Firmen auf dem westlichen Balkan, sagte Solana. "Ohne wirtschaftliches Wachstum kann es keine dauerhafte Stabilität in der Region geben."