Netzwerksparte SEN

Siemens entlässt 3000 Mitarbeiter

Im Zuge seines Konzernumbaus will der Elektrokonzern Siemens bis zu 3000 Arbeitsplätze in seiner Telefonanlagensparte streichen. Damit könnte fast jeder zweite Mitarbeiter der Sparte Siemens Enterprise Networks (SEN) in Deutschland betroffen sein.

Frankfurt/Main. Der Stellenabbau soll in erster Linie die Verwaltung und Produktion betreffen, so die "Bild"-Zeitung. Die Überlegungen stehen demnach im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des bereits ausgegliederten Bereichs, der Firmen mit Telefon- und Kommunikationsanlagen bedient und weltweit 17 500 Beschäftigte hat.

Dem Blatt zufolge arbeiten von bundesweit 6200 Beschäftigten 1700 am Hauptstandort München. Siemens will dem Bericht zufolge die Sparte für einen Verkauf attraktiver machen. Hinzu komme der Preisverfall wegen neuer Anbieter. Es gebe kaum noch Nachfrage nach den früher schrankgroßen Telefonanlagen in Firmen. Sie würden mit kleinen, intelligenten Systemen ersetzt.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat die Siemens-Tochter auch mit hohen Arbeitskosten zu kämpfen: Ein SEN-Mitarbeiter verdiene durchschnittlich 80 000 Euro im Jahr, während in der Branche 60 000 Euro üblich seien. Laut "FAZ" sollen die Pläne am Dienstag bekanntgegeben werden.

Die Gewerkschaft IG Metall äußerte sich beunruhigt über den Vorgang. "Siemens steht in der Verantwortung für die Beschäftigten, einen zweiten Fall BenQ darf es nicht geben", sagte der bayerische Bezirksleiter Werner Neugebauer der "Bild". Man werde von Siemens und dem Käufer verbindliche und überprüfbare Beschäftigungszusagen fordern.

Berlin auch betroffen

Nach Einschätzung der IG Metall könnte der Stellenabbau auch den Standort Berlin in Mitleidenschaft ziehen. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch Berlin massiv betroffen sein wird", sagte Wigand Cramer, der bei der Berliner IG Metall für Siemens zuständig ist. Bei der vom Konzern angekündigten Kostensenkung sollten unter anderem die Zentralen verschlankt werden. Nach Angaben Cramers liegt die Zentrale für das SEN-Deutschlandgeschäft in Berlin. Er schätzt, dass zehn Prozent der insgesamt 3000 Stellen, die Unternehmenskreisen zufolge bei SEN abgebaut werden sollen, auf Berlin entfallen könnten.

Insgesamt beschäftigt Siemens am Standort noch 12 500 Mitarbeiter und ist damit der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt. Siemens war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.