Nahverkehr: Großraum Hamburg

Austermann will schnelleren Ausbau

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) drückt bei den Strecken von Elmshorn, Kaltenkirchen und Bad Oldesloe nach Hamburg aufs Tempo. Bis 2015 soll alles fertig sein. Die Finanzierung ist allerdings noch fraglich.

Kiel. Angesichts des weiter wachsenden Güter- und Personenverkehrs im Großraum Hamburg will der Minister erreichen, dass zusätzliche Gleise bis 2015 und damit zehn Jahre früher gelegt werden als nach dem erheblich unterfinanzierten Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Für die schnellen Anbindungen zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg rechnet Austermann mit Kosten von 500 Millionen Euro. Er will dafür mit dem Bund über Mittel aus dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG) verhandeln. Von dieser Quelle habe der Norden bisher fast gar nicht profitiert.

Für kürzere Fahrzeiten soll ein eigenes Gleis für eine "Express-S-Bahn" zwischen Elmshorn und Pinneberg sowie zwischen Hamburg und Ahrensburg eingerichtet werden. "Die Strecke Elmshorn-Pinneberg ist faktisch zu", sagte Austermann. "Es kann auch kein Dauerzustand sein, dass über die A 7 täglich 100 000 Fahrzeuge rollen und die AKN-Schienen nur von 9000 Kunden genutzt werden", ergänzte er. Es sei eine Machbarkeitsstudie für eine durchgehende Schnellbahn zwischen Kaltenkirchen und dem Hamburger Flughafen in Auftrag gegeben worden. Die Fahrzeit von Kaltenkirchen ins Hamburger Zentrum ließe sich um rund ein Drittel auf etwa 40 Minuten verkürzen.

Die Bahn-AG-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck begrüßte die Pläne. "Voraussetzung ist, dass die Finanzierung im Konsens mit allen Beteiligten sichergestellt werden kann." Nach dem GVFG können Zuschüsse von 60 beziehungsweise 75 Prozent der Mittel für größere Projekte der Gemeinde-Infrastruktur eingesetzt werden. Nach Ansicht Austermanns gehört das Nahverkehrsnetz der S-Bahn in Hamburg eindeutig dazu. Er habe keine unanständig hohen Forderungen, sondern wolle nur den Anteil, der dem Land zustehe. "Ich glaube, dass es richtig ist, "hier" zu rufen, wenn sich eine neue Quelle auftut", sagte Austermann.

Im GVFG-"Topf" sind laut Verkehrsministerium jährlich 1,3 Milliarden Euro. Nach dem Länderschlüssel entfielen auf Schleswig- Holstein 57 Millionen Euro, das wären für acht Jahre insgesamt rund 460 Millionen. Zusätzliche Mittel erhofft sich Austermann noch aus dem Börsengang der Bahn. Er stellte klar, dass er dem Großraum Hamburg beim Ausbau des Schienennahverkehrs größere Priorität beimisst als der Region Kiel.

Der SPD-Bahnpolitiker Olaf Schulze unterstützte Austermanns Pläne im Grundsatz. Er forderte aber, die AKN in die Überlegungen zur Nordachse Kaltenkirchen-­Fuhlsbüttel einzubeziehen. Die AKN könne schon heute Bahn- und S-Bahn-Strecken mit und ohne Elektrifizierung bedienen. Diese Möglichkeit sollte für die Anbindung nach Norden genutzt werden.

FDP-Landtagsfraktionsvize Heiner Garg nannte Austermanns Äußerungen zur Finanzierung befremdlich. "Keine Neuigkeiten und weiterhin keine Finanzierung. Wo bitte ist da ein Konzept?" Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel warf Austermann vor, seine Pläne gingen zulasten einer Regionalbahn im Raum Kiel, die bereits über das Land beim Bund angemeldet sei und eine sehr günstige Nutzen- Kosten-Relation verspreche. "Das ist nicht akzeptabel und ein Offenbarungseid für die bisherige falsche Schwerpunktsetzung der Landesregierung", sagte Hentschel.