Neue Luftbrücke "Kabul - Hamburg"

67 schwer verletzte Kinder aus Afghanistan gelandet

An Bord einer Chartermaschine sind am Mittwoch 67 schwer verletzte und kranke Kinder aus Afghanistan am Hamburger Flughafen gelandet. Die Aktion ist eine der größten humanitären Luftbrücken der vergangenen Jahre. Mit dem Hinflug nach Kabul kehrten zudem 62 in Deutschland operierte Kinder in ihre Heimat zurück.

Die neuen Patienten aus dem von Terror und Krieg getroffenen Land sollen in 24 Kliniken im Bundesgebiet operiert werden. Am Rollfeld standen Dutzende Rettungswagen des Roten Kreuzes bereit, um die Kinder in die Krankenhäuser zu bringen. Die Hilfe wird koordiniert von dem Verein "Kinder brauchen uns" und der Hamburger Albertinen-Stiftung.

In Kabul hatte es zunächst einige Schrecksekunden gegeben. Wegen der Ankunft eines hochrangigen Militärs war der Flughafen am frühen Morgen gesperrt. Die zurückkehrenden afghanischen Kinder mussten hoch über Kabul eine 30-minütige Ehrenrunde in Kauf nehmen, während die schwer kranken Patienten bei minus 17 Grad zwei Stunden vor dem Flughafen zusammen mit ihren Eltern in der Kälte ausharren mussten.

"Die Situation in Afghanistan ist viel schlechter als bei unserem ersten Flug im Oktober. Es gibt ganz viele Tote durch die enorme Kälte, gerade in der Provinz", sagte der Vorsitzende von "Kinder brauchen uns", Matthias Angres. Überall fehle es an Brennholz. Angres war seit einigen Tagen in Kabul, um in dem Indira-Ghandi-Krankenhaus die Kinder auf den 5100 Kilometer langen Flug nach Deutschland vorzubereiten. Die Kinder leiden unter anderem an Brand- und Kriegsverletzungen, sowie Knochen- und schweren Herzkrankheiten. Ein gutes Dutzend der Jungen und Mädchen musste in Hamburg von Ärzten und Rot-Kreuz-Helfern aus dem Flugzeug getragen werden, einige schrien vor Schmerzen. 28 Helfer waren an dem Transport beteiligt.

Die Kosten für die rund 110 000 Euro teure Luftbrücke übernahm ein Unternehmer aus Schleswig-Holstein. Die Operationskosten - allein 15 Herzoperationen, die in Hamburg vorgenommen werden, schlagen mit rund 160 000 Euro zu Buche - übernehmen Kliniken, Stiftungen oder werden durch Spenden finanziert. "Das ist eine einmalige Geschichte, dass Kindern, die in Afghanistan nicht behandelt werden können, so geholfen wird", sagte der Konsul der afghanischen Botschaft in Berlin, Abdul Rahman Zadran am Rollfeld in Hamburg. "Deutschland ist das einzige Land, dass uns in dieser Form hilft."

Der Verein "Kinder brauchen uns", der 2007 für sein Engagement den Medienpreis "Bambi" gewann, wollte mit der zweiten Luftbrücke einen Neuanfang starten, da es zuletzt negative Schlagzeilen gegeben hatte. So war bekanntgeworden, dass der ausgeschiedene Vorsitzende Markus Dewender zwei falsche Doktortitel führte. "Ich habe diesen Flug als zweite Chance bezeichnet", sagte der neue Vorsitzende Angres am Mittwoch. "Und wir haben sie in vollem Umfang genutzt."

Der Verein koordiniert seit 2002 Hilfsaktionen in Afghanistan. Familien, die Kinder auf der Warteliste haben, werden von Mitarbeitern besucht, um die Bedürftigkeit sicherzustellen. In Deutschland schuf der Verein ein 30 Kliniken umfassendes Netzwerk, um die bestmögliche Versorgung zu sichern. Bisher wurden fast 400 Kinder nach Deutschland geholt. Nach der Operation leben sie bis zu sechs Monate in deutschen Gastfamilien.