Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Steuerhinterziehung

Zumwinkel gegen Sicherheitsleistung wieder frei

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Nach seiner Festnahme am Vormittag hat Klaus Zumwinkel die Bochumer Staatsanwaltschaft wieder verlassen. Zur Begründung hieß es, der Postchef kooperiere und habe einen Betrag "in namhafter Höhe“ hinterlegt. Ungeachtet der Vorwürfe gegen ihn, wird Zumwinkel seine Vorstandsfunktion weiter führen.

Köln. Der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek sagte am Donnerstag vor Journalisten, Zumwinkel werde vorgeworfen, Steuern in Höhe von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl sei gegen die Sicherheitsleistung in nicht genannter Höhe außer Vollzug gesetzt worden.

Ermittler hatten am Morgen das Büro und das Privathaus des 64 Jahre alten Topmanagers durchsucht. Wenige Stunden später hatten Polizisten Zumwinkel aus seinem Wohnhaus in Köln abgeholt. Einem ZDF-Bericht zufolge sei die Razzia seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden.

"Spiegel online" berichtete, Zumwinkel werde vorgeworfen, seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben. Das Vermögen der Stiftung habe zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts solle hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern. Auch gegen einen Familienangehörigen von Zumwinkel wird laut "Spiegel online" bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Dabei soll es ebenfalls um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen.

Zumwinkel steht seit 19 Jahren an Spitze der Post. In seine Ära fällt der Börsengang des einstigen Staatskonzerns und die Verwandlung des eher trägen Monopolisten in ein weltweit agierendes Logistikunternehmen. Der Vertrag des 64-Jährigen läuft Ende des Jahres aus. Zumwinkel ist außerdem noch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom, Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Lufthansa und Mitglied des Board of Directors der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Allerdings hatte der Manager nicht immer eine glücklich Hand bei seinen privaten Finanzgeschäften. Erst im Dezember vergangenen Jahres sorgte Zumwinkel für Negativ-Schlagzeilen, als er den Höhenflug der Postaktie nach dem "Ja" zum Mindestlohn nutzte, Post-Aktien aus einem Optionsprogramm im Wert von 4,7 Millionen Euro zu verkaufen. Zumwinkel hatte angesichts der Kritik später eingeräumt, er habe einen Fehler gemacht und die Tragweite seiner Verkaufsentscheidung nicht bedacht.

( ap, dpa )